Deutscher Name:

Blaufüßiger Raufuß

Wissenschaftlicher Name:

Leccinum cyaneobasileucum Lannoy & Estadès 1991

Blaufüßiger Raufuß
© Andreas Keller
Leccinum cyaneobasileucum - Blaufüßiger Raufuß
Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum cyaneobasileucum (Blaufüßiger Raufuß)
Blaufüßiger Raufuß
© Andreas Keller
Blaufüßiger Raufuß
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Blaufüßiger Raufuß
© Andreas Keller
Blaufüßiger Raufuß
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Stilbasis und Huttrama im Schnitt anfangs leicht, später stark bräunend

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum cyaneobasileucum Lannoy et Estades
Icons: Courtecuisse & Duhem, Champ. France Eur.: pl. 1713. 1994; Lannoy & Estades, Monogr. Leccinum: pl. 18. 1995.

Vorkommen und Verbreitung
Einzeln oder gesellig auf trockenen bis feuchten sandigen oder humösen Böden, manchmal auch in Sphagnum Blöcken, bildet Mykorrhiza mit Betula. In großen Teilen Europas nicht selten, in Skandinavien, mit Ausnahme Dänemarks, höchstwahrscheinlich fehlend.

Morphologie
Hut 48-80 (-120) mm im Durchmesser, halbkugelförmig bis ausgebreitet, mit eingerolltem Rand, nicht deutlich die Röhren überragend, gräulich-braun bis hell-braun, manchmal auch ganz weiß, Haut zeitweise schuppig-filzig, manchmal auch fein granuliert, im feuchten Zustand bisweilen auch glitschig.
Röhren angewachsen, 12 - 16 mm lang, bauchig bis breit bauchig, weißlich mit einem bräunlichen oder gräulichen Stich.
Poren ca. 0,5 mm im Durchmesser, weißlich oder leicht gräulich, auf Druck bräunlich verfärbend.
Stiel 72 - 110 mm x 11 - 23 mm, zylindrisch bis keulig, dicht bedeckt mit ineinanderfließenden Schuppen. Der Untergrund ist kaum sichtbar und die Oberfläche hat ein wolliges Erscheinungsbild. Die Schuppen sind anfänglich weißlich, werden mit zunehmenden Alter gräulich.
Das Fleisch ist weißlich, schwache rosa Verfärbung im Hut und an der Stielspitze, bläuliche Verfärbung an Stiel und Stielbasis, besonders an Fraßstellen von Schnecken und Insekten.
Sporen (11,0-) 14,0-19,5(-21,0) x (3,5-) 4,0-6,5(-7,0) µm, Q = 2,6-4,0(-4,1), Qav = 3,2, spindelig bis nahezu spin-delig mit Hilarfleck Basidien 20,5-27,5 x 11,5-13,0 µm, 4-sporig, manchmal auch nur 2-sporig. Hymenozystiden 32,0-43,5 x 5,5-7,5 µm, flaschenförmig bis spindelig. Huthaut ein kompliziertes Trichoderm mit leicht ablösbaren, breiten, zylindrischen braunen Zellen, abschließende Zellen häufig kegelig, , (7,0-)8,0-15,0(-17,0) µm breit und nahezu zylindrisch, dunkel braune Zellen 4,5-6,0 µm breit. Kaulozystiden 32,0-61,5 x 4,5-10,5 µm, nahezu flaschenförmig, euterförmig oder spindelig, die flaschenförmigen häufig mit einem gekrümmten Hals. Schnallen sind nicht vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslungsgefahr besteht nur mit anderen Arten der Gattung Leccinum.

ähnliche Arten
Leccinum cyaneobasileucum ist im Gelände leicht erkennbar am dunkel grau-braunen Hut und der wolligen Stieloberfläche. Bleiche und Albino-Formen können auftreten und sind phylogenetisch durch Sequenzierung von Leccinum cyaneobasileucum und Leccinum brunneogriseolum abgesichert. Diese blassen und albinistischen Formen können mit L. holopus im Gelände verwechselt werden, doch sie unterscheiden sich bei den Sporeen durch einen Qav = 3,0 und den abundanten Zylindrozysten in der Huthaut. Auf Grund der Tatsache, dass das Epitheton von cyaneobasileucum älter ist als das von brunneogriseolum, hat dieser Name Vorrang. Bedauerlicher Weise haben Lannoy and Estades 1995 für L. brunneogriseolum noch die Unterart f. pubescentium mit einer brauneren Hutfarbe und einem robusteren Stiel sowie f. chlorinum mit olivfarbener Haut an älteren Fruchtkörpern und einem oliv-grauen Farbton an den Röhren beschrieben. Diese Varianten können nicht taxonomisch berücksichtigt werden. L. brunneogriseolum unterliegt noch der Varibilität von Leccinum cyaneobasileucum, und gräuliche Färbungen an den Röhren wie bei f. chlorinum wurde an Exemplaren beobachtet werden, die in einer feuchten Wetterperiode oder an feuchten Standorten fruktifizierten.

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling