Deutscher Name:

Bunter Birkenpilz

Wissenschaftlicher Name:

Leccinum variicolor Watling, 1969

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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum variicolor (Bunter Birkenpilz)

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum variicolor Watling
Icons: Cetto, Fungi Vero 4: 1566 (als L., 1200 Pilze: pl.97. 1993. Lannoy & Estades, Monogr. Leccinum: pl. 13 to 15. 1995; R. Phillips, Paddest. Schimm: 213. 1993.
Leccinum variicolor ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 10.05.2013).
Maßgebend für die Morphologie ist die Arbeit von Den Bakker & Noordeloos (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa1

Vorkommen, Verbreitung und Gefärdung
Assoziert mit Betula-Arten in moosigen, sauren Habitaten wie Birkenbruchwälder (Sphagno-Alnetum glutinosae) mit Sphagnum, moosige Stellen, auf torfigen und sandigen Böden sowie Moorseggen-Erlenbruch-Wälder (Carici laevigatae-Alnetum glutinosae)15, auch im Übergang zu angrenzenden Fichten-Tannenwälder7. Anscheinend kommt die L. variicolor gerne in Grenzbereichen von Birken mit anderen Bäumen vor, oft reicht ein kleiner Birkenbestand in einem sonst birkenfreien Biotop7.
In den Niederlanden selten in pleistozeanen Gebieten und Küsten-Dünen1. In Europa verbreitet aber nicht häufig, höchstwahrscheinlich circumboreal, nach Süden hin seltener werdend. In Amerika vermutlich übersehen.
Gefährdet durch Trockenlegen von Feuchtgebieten7

Morphologie
Hut 35-95 mm im Durchmesser, konvex ausgebreitet bis flach Konvex oder im Alter manchmal konisch ausgebreitet, mit ganzrandigen Rand, nicht deutlich über die Röhren ragend, höchstens bis zu 1 mm. Hut dunkel braun mit radial verlaufenden Aufhellungen, manchmal auch weißlich mit dunklen Flecken oder vollständig dunkelbraun. Überall fein filzig, im Alter öfters schleimig.
Röhren nahe bis breit angewachsen, bauchig bis breit bauchig, 7-18 mm lang, gräulich bis cremig weiß, Druckstellen bräunlich färbend.
Poren ca. 0,5 mm im Durchmesser, cremig-weiß, häufig mit gelblich-braunen Flecken, auf Druck braun färbend. Stiel 70-157 mm x 350, zylindrisch bis keulig, weißlich bis grau-weiß, häufig an der Basis bis zur unteren Mitte mit ausgeprägten grünlich-blauen Verfärbungen.
Der Stiel ist dich bedeckt mit braun bis schwarzen Schuppen, fein an der Spitze und zur Basis hin gröber werden.
Das Fleisch ist weiß, bei Verletzung im Hut und an der Stielspitze häufig rosa, in der unteren Stielhälfte oft grünlich-blau färbend (in einigen Belegen war das auf die Haut des Stiels begrenzt). Wie Herbarbelege belegen, färben sich getrocknete Exemplare in der unteren Hälfte des Stiels gelb.
Sporen (10-) 13,5 - 17,5 (-20) x 5,0 - 6,5 ?m, Q = 2,4 - 3,1, Qav = 2,8, spindelförmig mit oder ohne Hilarfleck. Basidien 23,0-34,2 x 8,5 - 11,0 ?m, 2 bis 4-sporig. Hymenozystiden 26,0-44,5 x 8,0-10,5 ?m, flaschenförmig bis keulig mit aufgesetzter Spitze oder abgestumpfter Spitze.
Die Huthaut besteht aus einer losen Ansammlung intrazellulär durchscheinenden bis bräunlich pigmentierten Zellen, 4,5 - 9,0( - 12,6) ?m groß, Zellen in der Haut häufig kettenförmig angeordnet und deutlich zylindrisch (Zylindrozyten), abschließende Zellen in der Regel Konisch. Kaulozystiden (20,5-) 34,5-86,5 x 7,5-22,0 ?m, keulig bis unregelmäßig zylindrisch oder flaschenförmig mit einer gekrümmten, manchmal gabeligen Hals, der vom Körper der Zystidie häufig durch eine Trennwand abgetrennt ist. Die Schnallen fehlen.

Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslungsgefahr besteht nur mit anderen Arten der Gattung Leccinum.

Diskussion

Leccinum variicolor kann im Gelände leicht auf Grund seiner vielgestaltigen Huthaut und seiner deutlich blau-grünen Verfärbung des Stielfleisches erkannt werden. Obwohl er in Amerika allgemein häufig vorkommt, wurde er dort nicht als solcher erkannt und mit Leccinum snellii bezeichnet. Beide Spezies haben die gleiche Fleischverfärbung und auch die septierten Kaulozystiden. Wie sie in L snellii und L. variicolor gefunden wurden. Molekularbiologisch betrachtet können die beiden Arten nicht als Verwandt betrachtet werden. Basierend auf einer begrenzten Anzahl von Herbarbelegen und der original Beschreibung von L. snellii, liegt der Hauptunterschied in den abschließenden Zellen der Huthaut. In der Huthaut von Leccinum snellii befinden sich 8-10 ?m breite zylindrische Zellen und keulige bis kegelförmige, endständige Zellen mit braunen intravaculären Pigmenten. Die Huthaut von L. variicolor ist ähnlich aufgebaut, aber die zylindrischen Hyphenzellen sind weiniger breit (4,5 ? 9,0) und die abschließenden Zellen sind kegelförmig. Ins besondere sind die keuligen endständigen Zellen charakteristisch für Leccinum snellii und werden niemals in L. variicolor gefunden. Weiterhin gibt es einen ökologischen Unterschied zwischen beiden Taxa. In Kanadas Great Lake Region   wurde L variicolor grundsätzlich nur in den gleichen Biotopen wie in Europa gefunden, und zwar in trockenen, acidophilen Habitaten. Leccinum snellii wurde dagegen in völlig anderen Habitaten, mäßig trockenen, basidophilen Böden, gefunden. Es handelt sich hierbei überwiegend um artenreiche Buchen-Ahorn-Wälder. Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um beide Arten sicher von eineander abgrenzen zu können. Lannoy and Estades (1995) unterscheiden drei Varianten von L. variicolor, die Variation bertauxii mit einem gleichmäßig schwärzlichen Hut und dem Fehlen der Rosa Verfärbung an der Stielbasis und Hutfleisch, die Variation atrostellatum mit einem dunklen sternenförmigen Muster auf der Huthaut und die Variation sphagnorum mit einem gleichmäßig bäunlich gefärbten Hut. Diese Ausprägungen liegen aber alle noch in der normalen Variabilität von Leccinum variicolor, so dass diesen kein taxonomischer Wert zu Grunde liegt.

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling
15 Schubert, R., Hilbig, W., Klotz, St. (2010): Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands