Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Gelber Knollenblätterpilz

Wissenschaftlicher Name:

Amanita citrina (Pers.) Pers. 1799

Allgemeine Beschreibung:

   Amanita citrina (Gelber Knollenblätterpilz) ist eine Art aus der Familie Amanitaceae, Bon stellt sie in die Sektion Phalloideae.1 Das Index Fungorum sieht den Namen als nicht aktuell an, die Art wird dort in zwei Sippen namens Amanita citrina var. citrina und Amanita citrina var. alba unterschieden, deren Namen beide als aktuell verzeichnet sind (Stand 07.06.2012.

   Nach Knudsen & Vesterholt hat die im Sommer bis Herbst in Laub- und Nadelwäldern häufig vorkommende Amanita citrina einen drei bis zehn Zentimeter durchmessenden, erst halbkugeligen, dann konvex bis ausgebreiteten, weißlichen bis blass grüngelben Hut mit   weißlichen bis ockerfarbenen Resten des Velum universale. Die Lamellen sind weiß. Der 4-12 x 0,5-2 cm messende Stiel ist zylindrisch bis keulenförmig mit weißem Ring und einer 2-4 cm durchmessenden, gerundeten Basalknolle. Der Geruch ist kartoffelartig. Die rundlichen Sporen messen 8-10 x 7-9 µm.2
   Bon beschreibt die Art als an saure Böden gebunden, mit zitronengelbem Hut (weiß bei var. alba Price) mit weißlichen Velumfetzen und weiß oder gelblichem Stiel, der an knollig verdickter Basis eine weiche Volva mit simsartig überstehenden Rand besitzt. Bei ihm können die Lamellen auch blassgelb sein, das Fleisch ist weiß, der Geschmack unangenehmen, Geruch nach rohen Kartoffeln oder Rettich.3
   Ergänzend ist bei Krieglsteiner zu lesen, dass die klebrig glänzende Hut abziehbar ist, die anhaftenden Velumreste bei Regen fehlen können, der Stiel einen hängenden Ring trägt und die Lamellenschneide flockig ist.   Die nicht seltene Variante alba, die sich nur durch den Verlust des gelben Farbstoffs vom Typus unterscheidet, wächst oft zwischen normal ausgeprägten Fruchtkörpern.4
   Der gelbe Knollenblätterpilz enthält das auch im Sekret von Kröten vorkommende Bufotenin, welches nur roh leicht giftig ist.5 Ansonsten ist er "streng genommen ungiftig, aber wegen Verwechslungsgefahr mit tödlich giftigen Verwandten unbedingt zu meiden"6, was wohl des widerlichen Aromas wegen nicht schwer fallen dürfte.

   Für mich scheint eher fraglich, ob die weiße Form überhaupt eine eigene Variante ist oder nur eine der üblichen Farbvariation der Stammform. Meiner Erfahrung nach kommen zwar weiße und gelbe Formen vor, jedoch auch alle möglichen Sättigungsstufen der Farbe gelb und zwar auch innerhalb einer Aufsammlung. Ich bevorzuge daher das Binomen Amanita citrina und unterscheide die Art nicht in Varianten. Hut, Lamellen und Stiel haben bei meinen Funden stets die gleiche Farbe, nur in verschiedener Sättigung, sodass die in der Funga Nordica für den Hut angeführte Farbe "grüngelb" auch bei den Lamellen und dem Stiel zu listen ist. Der Geruch wird von den meisten Autoren kartoffel- oder rettichartig beschrieben. Meinem Empfinden nach ist eine deutlich dumpfe Komponente dabei, die mich an überlagerte Kartoffeln im Keller erinnert. Die Velumreste am Hut werden in der Literatur mit unterschiedlichen Begriffen bedacht, die sich jedoch nicht widersprechen. Nach meiner Ansicht passt der Begriff "grobschollig" am besten, da er nicht nur auf die im Verhältnis zur Amanita rubescens relativ großen Stücke abstellt, was ja bei der Amanita phalloides auch der Fall ist, sondern im Unterschied zu den häutigen Resten letztgenannter Art auch impliziert, dass die Reste hier ziemlich derb sind.

   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht   vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:


•Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
•Hut gebuckelt
•Hygrophanität
•Autolyse
•Anastomosen
•Lamellengabelung
•Stielfeuchtigkeit
•Ringriefung
•Hypogäische Pilzteile
•Milch
•Exsudation
•Verfärbung(en) bei Verletzung
•Soziabilität

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f
2Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 331
3Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f
4Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 32ff
5PILZE SAMMELN ABER RICHTIG, Ewald Gerhardt, 2004, BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich, S. 29
6Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f