Deutscher Name:

Gelbporiger Raufuß

Wissenschaftlicher Name:

Leccinum crocipodium (Letell.) Watling, 2006

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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum crocipodium (Gelbporiger Raufuß)

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum crocipodium Letell.) Watling
Breitenb. & Kränzl., Pilze Schweiz 3: 72. pl. 34. 1991; Galli, Boleti: 260-261. 1998 ; Muñoz, Fungi non del. 13: pl. 18. 2000; Pilát & Dermek, Hrívobité Huby: pl. 73 1974 (as L. nigrescens).

Vorkommen, Verbreitung und Gefährdung
Leccinum crocipodium bildet Mykorrhiza mit Carpinus und Quercus auf schweren lehmigen, häufig basischen, thermophilen und trockeneren Böden1. Vegetationskundlich ist dies das Carpinion betuli, jedoch sollte dies überprüft werden. Verbreitet aber selten und eher in Zentral- oder Südeuropa vorkommend. Bestände auf Grund forstlicher Maßnahmen zurückgehend und sollte als gefährdet eingestuft werden, da sie zudem nur schwer sekundäre Biotope besiedelt. Vor diesem Hintergrund sollte wissenschaftlich überprüft werden, on L. crocipodium eine Zeiger-Art für naturnahe Waldgesellschaften, insbesondere Eichen-Hain-Buchenwälder ist. Nur lokal enbegrenzt häufiger, sonst selten.7
In den Niederlanden sehr selten.Vorwiegend in milderen Regionen, nordwärts bis Südfinnland und Mittelschweden.


Morphologie
Hut 40-75 mm im Durchmesser, halbkugelig bist polsterförmig, mit Hautresten, die die Röhren bis 1 mm überragen. Die Farbe ist gelblich- oder rötlich-braun, manchmal mit einem olivefarbenen Anflug, später oliv-braun bis schwärzlich, trocken, angedrückt filzig und im Alter aufreißend, wobei sich unregelmäßige Felder bilden und dazwischen das blaß-graue Fleisch sichtbar wird.
Röhren nahestehend bis angewachsen und breit bauchig, bis 15 mm lang und blass gelblich.
Rundliche Poren schmal, nur 0,3 -0,5 mm im Durchmesser und deutlich hellgelb, bei Druck zunächst rötlich-braun dann schwarz färbend.
Stiel 60-150 x 15-30 mm in der Bemaßung, deutlich spindelig mit der breitesten Stelle unterhalb der Stielmitte, an der Basis verjüngend, seltener zylindrisch. An der Stielspitze cremig-weiß, weiter unten schwach chrome-gelb, mit länglichen Reihen schmaler, gelblich bis dunkelbraunen, flockigen Schuppen die zur Stielbasis hin gröber werden.
Fleisch dicht und feste, schwach gelblich cremig gefärbt, verfärbt sich bei Verletzung rötlich-braun bis grau-violett, schwärzend an Schnittstellen. Geruch unbedeutend und Geschmack mild.
Sporen (80,4) (11,5-)12-15 x 5,0-6,5,0 µm, av, 13-14 x 5,5-6,0 µm, Q = 2,0-2,9, Qav = 2,4=3-2,4 in den Abmaßen, spindelig mit einer konischen Spitze, häufig auch mandelförmig mit schwachen bis deutlichen Hilarfleck, relativ dünnwandig und blass-braun in Wasser.
Die Basidien haben eine Abmaßung von 18-35 x 5,0-9,0 µm, sind keulig und 4-sporig. Hymenalzystiden über-wiegend am Rand und den Seiten der Poren, 20-55 x 4,5-11 x 2,0-4,0 µm, flaschenförmig, häufig mit einem verschmälerten Hals, farblos oder mit braunen, interzellularen granulären Pigmenten.
Die Huthaut ist ein relativ regelmäßiges Trichoderm aus septierten Hyphen mit 12-50(-50) x 6,5-17 µm großen, abschließenden, für gewöhnlich schmale, zylindrische, keulige oder konische Zellen mit intrazellulären und krustigen extrazellulären Pigmenten.
Die Stielhaut besteht aus 4,0-7,0 µm breiten Hyphen, mit schmalen bis relativ langen Kaulohymenalen Knäuls von Basidien und Zystidien, die die Schuppen auf dem Stiel bilden.
Die Kaulozystiden sind 25-120 x 7,0-15 x 2,0-4,5 µm im Umfang, flaschenförmig oder spindelig mit dünn- oder dickwandigen, farblosen oder braunen granulären Pigmenten. Die Schnallen fehlen.

Verwechslungsgefahr

Das prägnanteste Merkmal an Leccinum crocipodium sind die deutlich gelben Poren und das schwärzende Fleisch. Es ist die einzige Art mit dieser Merkmalskombination in der temperierten Region Europas, wobei der Schwerpunkt in thermophilen, sommergrünen Laubwäldern liegt.
Es gibt makroskopischen Ähnlichkeiten mit Leccinum corsicum und L. lepidum, die jedoch eine ausschließlich mediterane Verbreitung haben und Mykorrhiza mit Cistus ssp. bzw. Quercus ilex bilden. Leccinum crocipodium wurde in den Niederlanden nur 1999 und 2001 beobachtet. Ob dies mit klimatischen Veränderungen zusammenhängt ode rob die Art bisher nur übersehen wurde, ist schwer zu klären.
Boletus rimosus Venturi, Stud. Micol.: 31, pl. 10, fig. 93-94. 1842, wird häufig als Synonym zitiert, jedoch wird dies als ?nomen dubium? eingestuft.

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
nicht vorhanden
Fruchtkörpergröße
groß
Veränderungen / Reaktionen
Verfärbung(en) bei Verletzung
rötend, bläuend, bräunend, schwärzend
Chemische Reaktionen
mit Phenol rötend
Stiel
Stielkonsistenz
bricht faserig
Stielform
zylindrisch, keulig
Stielfeuchtigkeit
trocken
Stieldichte
vollfleischig
Stielbasis
verdickt
Stielansatz
mittig
Hypogäische Pilzteile
fehlend
Grundfarbe des Stieles
gelb
Beschaffenheit der Stieloberfläche
schuppig
Umweltfaktoren
Soziabilität
einzeln, gesellig
Orographische Gliederung
planar (Ebene), kollin (Hügelland), montan (Bergland)
Habitat
Laubwald
Bodenqualität
Lehm, neutral
Hymenophor
Porengröße
deutlich als Poren erkennbar
Hymenophorfarbe
gelb, ocker
Art des Hymenophors
Röhren
Hut
Hygrophanität
nicht vorhanden
Hutform
halbkugelig, gewölbt (konvex)
Hutfeuchtigkeit
trocken
Hutfarbe ( Hauptfarbe)
gelb, ocker, olivgrün, schwärzlich
Hutbuckelung
ungebuckelt
Beschaffenheit der Hutoberfläche (ohne Berücksichtigung des Hutvelums und Feuchtigkeit)
samtig, filzig, felderig aufbrechend
Autolyse
nicht vorhanden
Fleisch
Fleischigkeit
dickfleischig
Fleischfarbe
hell (creme, elfenbein, etc), gelb
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
olivgrün

Mikroskopische Merkmale

Sporenform ( ohne Ornamentation)
mandelförmig
Sporenart
Basidiospore
Pileozystiden
zylindrisch, keulig
Kaulozystiden
lecythiform, flaschenförmig
Aufbau der Hutdeckschicht
trichodermal
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling
15 Schubert, R., Hilbig, W., Klotz, St. (2010): Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands