Deutscher Name:

Gemeiner Birkenpilz

Weitere deutsche Namen: Brauner Birkenpilz, Kapuziner
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum scabrum (Bull.) Gray, 1821

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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum scabrum (Gemeiner Birkenpilz)

Allgemeine Beschreibung:

Leccium scabrum (Gemeiner Birkenpilz) ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 20.11.2012).

Vorkommen, Verbreitung und Gefährdung
Leccium scabrum bildet eine Symbiose mit Betula pendula (Hänge-Birke). Diese bevorzugt in der Regel trockenere Standorte und gilt allgemein als Pionierpflanze zusammen mit Salix caprea (Salweide) im Quercion roboris (Eichen-Birken-Wälder), Fagion sylvaticae (Rotbuchen-Wälder) und Dicrano-Pinion-Gesellschaften[8, 9, 10, 11]. Je nach Witterung ist der Pilz von Juni bis Ende Oktober anzutreffen.
Aus eigener Erfahrung scheint der Gemeine Birkenpilz leicht thermophil zu sein. So bevorzugt die Art lichte Baumbestände, insbesondere an nährstoffarmen Waldrändern, in Brandenburg besonders im Cladonio-Pinetum corynephoretosum11 und im Anschluss an Sandtrockenrasen (Sedo-Scleranthetea). Hier zeigt sich auch eine Tendenz zu eher azidophilen Böden, obwohl sie auf basischen Böden nicht grundsätzlich fehlt. Dichte, feuchte oder nährstoffreiche Gehölzbestände werden gemieden. Häufig kommt Leccium scabrum auch in sekundären Biotopen wie Parks und Gärten vor. In Moorbiotopen und nassen Wäldern scheint Leccium scabrum zu fehlen.
Im Allgemeinen ist der gemeine Birkenpilz auf der gesamten Nordhalbkugel (meridional bis boreal, austral, eventuell auch arktisch) weit verbreitet7 und im Bestand nicht gefährdet.

Morphologie
Je nach Standort kann Leccinum scabrum stattliche Fruchtkörper ausbilden. Nach Kriegsleitner6 erreicht der polsterförmige Hut einen Durchmesser von 5-12(15) cm, junge Exemplare sind halbkugelförmig und ältere nur selten abgeflacht. Die trockene, kaum abziehbare Huthaut ist meist gleichmäßig in teils verschiedenen Brauntönen gefärbt. Die Röhren sind anfänglich cremeweiß, verfärben sich aber im Alterungsprozess über schmutzig-rosa nach fleischig-bräunlich und wölben sich Kissenförmig vor. Einen gleichen Farbverlauf ist auch bei den Poren zu beobachten. Bei Berührung und im Alter werden sie ocker-fleckig. Der Stiel ist kräftig und häufig feste, aber nicht so bauchig wie bei der Gattung Boletus. Die Oberfläche des Stiels ist weiß, aber dicht bedeckt mit dunklen, schwer abwischbaren Schüppchen (Namensgebung der Raufüße). Fraßstellen färben sich safrangelblich. Das Fleich ist weiß und fest, wird im Hut mit zunehmenden Alter weicher. Die Maße der Basidien betragen 25-30 x 9-12µm, die der keulig, spindelig bis pfriemförmigen Cystidien 25-55 x 8-15µm. Die elliptisch-spindeligen Sporen messen 14-20(22) x 4,5-6,5(7)µm, das Querschnittsverhältnis beträgt 2,8-3,1-3,5. Die langzelligen Hyphen der Epikutis haben eine breite von 3-7µm und enden zylindrisch. Das intrazelluläre Pigment ist olivbraun bis sepiafarben. Mit FeSO4 färbt sich das Trama graugrün bis blaugrau, die Reaktion mit Formalin ist nur schwach rosa7.
Bei Bon5, Gminder3 und Gerhardt4 wird die leichte Rosafärbung der Röhren nicht erwähnt, die Färbung wird aber aus eigenen Beobachtungen bestätigt. Während Gminder keine Angaben zu den Sporengröße macht, platzieren die beiden anderen Autoren deren Abmessungen in den Toleranzen von Kriegsleitner7.
Gminder3 gibt für den Stiel Abmessungen von 4-8 x 1-2 cm an. Hier sind die Angaben bei Bon5 mit einer Stiellänge von 15 cm als angemessener einzustufen. Nach eigenen Beobachtungen können an Standortgünstigen Lagen auch bis zu 20 cm hohe Exemplare auftreten.
Neuste Untersuchungen von Den Bakker und Nordeloos 1 beschreiben L. scabrum wie folgt.
Hut 52 -130 mm, zunächst gewölbt, sich polsterförmig ausbreitend, mit vollständiger, eingebogener oder eingerollter Haut, nicht oder nur wenig (< 1mm) die Röhren überragend, gelblich-braun bis dunkelbraun; Fein filzig, in einer Minute ablösend, mit zunehmenden Alter anliegende Schüppchen, feucht etwas klebrig. Röhrend breit anliegend, 8 -1.9 mm lang, mit zunehmenden Alter segmentförmig bis leicht bauchig, jung weißlich, im Alter braun-gräulich. Poren gräulich-weiß, häufig mit bräunlichen Flecken, auf Druck braun färbend. Stiel 82 - 145 x 12 - 55 mm, zylindrisch bis keulig, weißlich, zur Spitze oft mehr bräunlich,   gänzlich bedeckt mit schwarz bis grauen, manchmal schwach bräunlichen Schuppen, zur Spitze hin feiner, zur Basis hin gröber werden, manchmal fast zu einem Netz verschmelzend. Trama weiß, auf Druck kaum oder höchstens rosa bis rötlich färbend, nach einigen Stunden häufig braun oder leicht grau.
Sporen 14.5-19.0 x 5.0-6.5 µm, Q = 2.5-3.5, Qav = 3.0, mit einer Hilarfleck-Einbuchtung. Basidien 31.0-37.5 x 10.5-12.5 µm, 4-sporig (manchmal 3-sporig). HymenoZystidien 28.5-50.0 x 5.5-7.5 µm, spindelig flaschenförmig, zylindrisch bis keulig oder flaschenförmig, Spitze stumpf oder spitz. Kaulozystiden (34.5-) 41.0-69.0 (-92.5) x 9.0-18.5 µm, flaschenförmig bis keulig, durchsichtig oder mit grau-braunem Inhalt in KOH. Huthaut eine an Dichte verlierende, komplexe Schicht, zusammengesetzt aus schlanken, durchsichtigen bis bräunlichen intrazellulär gefärbten oder granular verkrustete Hyphen-Zellen, 3.5-7.0(-8.0) µm im Durchmesser und weitgehend verlängerte Hyphenzellen, (7.5-) 8.0-14.0(-16.0) µm im Durchmesser, manchmal auch mit breiten, deutlich klaren, durchsichtigen Hyphal-Zellen, (8.0-) 9.0-13.5(-17.0) µm im Durchmesser, Abschließende Zellen kegelförmig. Keine Schnallen vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslungsgefahr besteht nur mit anderen Arten der Gattung Leccinum.

Ähnliche Arten
Innerhalb der Röhrlinge ist die Gattung Leccinum sehr gut bis eindeutig Abgrenzbar, innerhalb der Gattung gibt es jedoch noch einen deutlichen Dissens. Je nach Autor werden zwischen 18 bis 36 Arten zuzüglich diverser Varietäten beschrieben6. Hinsichtlich der Abgrenzung zu anderen Arten der Gattung folgt der Autor der Einteilung von Gröger1
Im Index Fungorum werden aktuell folgende Varietäten aufgelistet:
Leccinum scabrum (Bull.) Gray 1821, (also see Species Fungorum: Leccinum scabrum); Boletaceae
Leccinum scabrum f. coloratipes (Singer) Singer 1966; Boletaceae
Leccinum scabrum f. melaneum (Smotl.) Sergeeva 2000, (also see Species Fungorum: Leccinum melaneum); Boletaceae
Leccinum scabrum f. scabrum (Bull.) Gray 1821; Boletaceae
Leccinum scabrum subsp. niveum (Fr.) Singer 1951; Boletaceae
Leccinum scabrum subsp. scabrum (Bull.) Gray 1821; Boletaceae
Leccinum scabrum subsp. tundrae Kallio 1975; Boletaceae
Leccinum scabrum var. avellaneum (J. Blum) J.A. Muñoz 2005, (also see Species Fungorum: Leccinum scabrum); Boletaceae
Leccinum scabrum var. chalybaeum (Singer) Murrill 1948; Boletaceae
Leccinum scabrum var. coloratipes (Singer) Singer 1966; Boletaceae
Leccinum scabrum var. melaneum (Smotl.) Dermek 1987, (also see Species Fungorum: Leccinum melaneum); Boletaceae
Leccinum scabrum var. niveum (Fr.) M.M. Moser 2001; Boletaceae
Leccinum scabrum var. pinguipedum Pilát 1994; Boletaceae
Leccinum scabrum var. roseofractum (Watling) ?utara 2009; Boletaceae
Leccinum scabrum var. scabrum (Bull.) Gray 1821; Boletaceae

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
nicht vorhanden
Fruchtkörpergröße
groß
Veränderungen / Reaktionen
Verfärbung(en) bei Verletzung
fehlend
Chemische Reaktionen
mit Phenol rötend
Umweltfaktoren
Substrat
Moose, Sand, Nadelstreu
Soziabilität
gesellig
Orographische Gliederung
alpin (Hochgebirge), montan (Bergland), kollin (Hügelland), planar (Ebene)
Habitat
Nadelwald, Trockenrasen
Bodenqualität
sauer
Stiel
Stielform
keulig
Stielfeuchtigkeit
trocken
Stieldichte
vollfleischig
Stielbasis
verdickt, gerade
Stielansatz
mittig
Hypogäische Pilzteile
kurze Fruchtkörperverlängerung
Hut und Stiel leicht trennbar
ja
Grundfarbe des Stieles
weiß
Beschaffenheit der Stieloberfläche
schuppig
Olfaktorische / gustatorische Wahrnehmung
Schärfe (nicht bei Täublingen)
mild
Geschmack
sauer, fehlend
Geruch
unbedeutend pilzartig
Hymenophor
Porengröße
deutlich als Poren erkennbar
Porenform (bzw. Röhrenmündung)
rund
Hymenophorfarbe
grau, rosa, hell (creme, elfenbein, etc)
Hymenophoransatz
frei
Art des Hymenophors
Röhren
Hut
Hygrophanität
nicht vorhanden
Hutform
ausgebreitet
Hutfeuchtigkeit
trocken
Hutfarbe ( Hauptfarbe)
braun, rotbraun
Hutbuckelung
ungebuckelt
Beschaffenheit der Hutoberfläche (ohne Berücksichtigung des Hutvelums und Feuchtigkeit)
samtig, glatt
Fleisch
Fleischigkeit
dickfleischig
Fleischfarbe
weiß
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
olivbraun

Mikroskopische Merkmale

Sporenform ( ohne Ornamentation)
elliptisch
Sporenart
Basidiospore
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4, 3
Sporengröße (Breite x Länge):
4,5 bis 7,0 µm x 14,0 bis 20 µm

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg