Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Grauer Wulstling

Wissenschaftlicher Name:

Amanita excelsa (Fr.) P. Kumm. 1871

Grauer Wulstling
© Dirk Harmel
Amanita excelsa - Grauer Wulstling
Grauer Wulstling
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Grauer Wulstling
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Grauer Wulstling
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Allgemeine Beschreibung:

   Amanita excelsa (Der Grauer Wulstling) ist nach Bon eine Art der Sektion Validae aus der Familie Amanitaceae1. Das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand 08.06.2012). Neben der hier beschriebenen Stammform finden sich in der Literatur u.a. noch die Varianten cariosa, spissa und valida, teilweise auch als eigenständige Arten. Es ist jedoch umstritten, ob diese Sippen klar abzugrenzen sind.

   Knudsen & Vesterholt geben zu der in Laub- und Nadelwäldern vorkommenden Amanita excelsa einen drei bis 14 cm breiten, ockerfarbenen bis graubraunen, erst halkugeligen, dann konvex bis ausgebreiteten Hut an, auf dem Reste des Velums weißliche bis gräuliche Warzen oder lappige Fragmente bilden. Die Lamellen sind weiß, der 60-140 x 8-25 mm messende, zylindrische bis keulenförmige Stiel ist weißlich, oft mit braunen Flecken an der knolligen Basis und trägt einen weißlichen, gerieften Ring. Der Geruch ist unbedeutend oder leicht kartoffelartig. Die annähernd kugelförmigen Sporen messen 7-10 x 6-8µm.2
   Krieglsteiner beschreibt Exemplare mit einem Hutdurchmesser von bis zu 25 cm. Der Hutrand ist meist ungerieft, die weißen, breiten, weichen, Lamellen sind abgerundet angeheftet und haben eine flockige Schneide. Der Stiel ist anfangs weiß, wird aber bald mehr oder weniger grau über dem abstehenden, oberseits weißen, unterseits grauen Ring, dessen Riefen oft bis zum Hut reichen. Unterhalb der Manschette ist der Stiel bräunlich und schuppig oder flockig und endet übergangslos oder nur durch undeutliche Schuppengürtel aber durch einen Rand abgesetzt in zwei bis drei cm dicker Knolle, die bald gut sichtbar bräunt. Das weiße, derbe Fleisch bräunt ebenfalls und riecht meist aber gelegentlich kaum wahrnehmbar dumpf kartoffel- oder fruchtartig, mit Phenol verfärbt es nach weinrot.3
    Hahn & Lohmeier zeigen einen Fund dieser Art mit breit angewachsenen Lamellen.4
   Bon unterscheidet für den Grauen Wulstling zwischen Amanita spissa, die er offenbar als eigenständige Art betrachtet und etwas ausführlicher beschreibt und Amanita excelsa, der er nur wenige Worte widmet und sie im Unterschied zu erstgenanntem Taxon als schlanker und höher sowie mit unveränderlichem Fleisch und angenehmen Geruch beschreibt. Er gibt dabei zu bedenken, dass die Eigenständigkeit dieser Sippe umstritten sei.5

   Entsprechend den Merkmalen der übergeordneten Taxa ist das Sporenpulver weiß und amyloid. Wie bei den meisten Autoren, so sind auch nach Knudsen & Vesterholt sowie Bon die Lamellen bei allen Amaniten stets freistehend. Auf der Seite der übergeordneten Gattung wird ausführlich dargelegt, dass dies falsch ist, zumindest aber sollen frei stehende Lamellen neben den oben angeführten Formen des Hymenophoransatzes nicht ausgeschlossen werden. Es wird nicht ganz deutlich, was Krieglsteiner mit "meist ungerieftem" Hut meint. Ich verstehe es aus dem Kontext so, dass der Hut der Typusart ungerieft und derjenige der Variante valida gerieft ist. Er weist in Bezug auf die verschiedenen Varianten auch darauf hin, dass es Übergangsformen zwischen diesen gibt und ihnen daher kein taxonomischer Rang zugesprochen werden könne. Auch wenn Bon gar der auf diesen Seiten als Variante spissa gelisteten Erscheinungsform des Grauen Wulstlings den Rang einer eigenständigen Art zubilligt, so weist er doch darauf hin, dass die Abgrenzung zu Amanita excelsa strittig sei. Da Krieglsteiner bei seinen wohl etwas ausführlicheren Untersuchungen des Formenkreises sogar die Unterscheidung in Varianten auf Grund von ausgemachten Übergängen ablehnt und es in aktueller Standardliteratur auch sonst keine begründete Meinung zur Aufrechterhaltung verschiedener Arten gibt, wird hier nur Amanita excelsa als eigene Art betrachtet. Auch im Index fungorum wird Amanita spissa kein taxonomischer Wert zugeschrieben, es wird auf A. excelsa var. spissa verwiesen. Eine Notwendigkeit zur Aufhebung der Varianten erscheint mir hingegen nicht abschließend geklärt zu sein, was hier jedoch im Moment nicht beurteilt wird.

   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:

•Stielfeuchtigkeit
•Soziabilität
•Schärfe

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 296
2Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 332
3Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 296
4Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 34ff
5Hahn, C & Lohmeyer, T (2010): MYKOLOGIA BAVARICA, Band 11, April 2010, S. 39