Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Grüner Knollenblätterpilz

Wissenschaftlicher Name:

Amanita phalloides (Vaill.: Fr.) Link 1833

Grüner Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Fruchtkörper mit Velum universale
Grüner Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Zwischenlamellen
Grüner Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Junger Fruchtkörper mit gerade öffnendem Velum
Grüner Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Mehrere Fruchtkörper in verschiedenen Stadien
Grüner Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Junger Fruchtkörper mit voll geöffnetem Velum

Allgemeine Beschreibung:

   Amanita phalloides (Grüner Knollenblätterpilz ) ist nach Bon eine Art der Sektion Phalloideae aus der Familie Amanitaceae1. Das Index Fungorum sieht den Namen als aktuell an.

   Nach Bon ist der Grüne Knollenblätterpilz ziemlich häufig, er wächst meist im Wald oder in Parks bei Laubbäumen, manchmal auch bei Nadelbäumen. Sein Hut ist gras- bis olivgrün, oft mit gelblichem oder bronzefarbenem Einschlag, eingewachsen radialfaserig und oft ohne häutige Velumreste. Die Lamellen sind weiß, Lamelletten vorhanden. Der Stiel ist weiß und mit grünlichen Zonen genattert. Die sackartige Volva ist weiß, innen oft grünlich. Sporen rundlich, um 9 x 8 µm.1
   Ergänzend hierzu misst nach Knudsen & Vesterholt der erst halbkugelige und später konvex bis ausgebreitete Hut drei bis 12 cm im Durchmesser, er trägt gelegentliche großflächige Reste der weißen Gesamthülle. Der 4-15 x 1-2 cm messende Stiel ist zylindrisch bis keulenförmig mit einer 3-4,5 cm breiten Basalknolle. Die rundlich bis breit ellipsoiden Sporen messen 7,5-9 x 6-7,5 µm.2
   Die Fruchtkörper der Art entsprechen dem in der Seite der Gattung aufgeführten Typ 1. Den Merkmalen der übergeordneten Sektion folgend, für die Amanita phalloides namensgebend ist, ist das Sporenpulver weiß und amyloid.
   Bei Krieglsteiner ist zu lesen, dass der Hut bis 15 cm durchmessen kann und seine Haut abziehbar ist. Bei Feuchtigkeit ist er leicht klebrig, bei Trockenheit seidig glänzend, im Alter blasst er aus. Die Lamellen haben glatte Schneiden und werden im Alter gelblich. Der elastische Stiel kann bis 20 cm lang werden und, ist im Alter markig bis hohl und trägt einen hängenden, häutigen, oberseits gerieften, weißen bis schwach grünlichen Ring. Die Trama ist weiß, unter der Huthaut schwach gelblich.3
   Wie bei den meisten Autoren, so sind auch nach den vorgenannten die Lamellen bei allen Amaniten stets freistehend. Auf der Seite der übergeordneten Gattung wird ausführlich dargelegt, dass dies falsch ist. Nach eigenen Beobachtungen stehen die Lamellen bei dieser Art frei, es ist jedoch unklar, ob dies immer so ist.

   Auch dem Phalloides-Syndrom, einer trotz moderner Behandlungsmethoden noch immer häufig tödlich verlaufende Vergiftung, hat der Grüne Knollenblätterpilz seinen Namen verliehen. Ein einziger Fruchtkörper kann die tödliche Menge des Giftes Amanitin enthalten.4

   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht   vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:


•Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
•Hut gebuckelt
•Hygrophanität
•Autolyse
•Anastomosen
•Lamellengabelung
•Stielfeuchtigkeit
•Hypogäische Pilzteile
•Milch
•Exsudation
•Verfärbung(en) bei Verletzung
•Bodenqualität
•Soziabilität

Verwechslungsgefahr

   Die Merkmale des Grünen Knollenblätterpilzes sind in der Kombination so einzigartig, dass Verwechslungen eigentlich nicht vorkommen sollten, wenn man Grundkenntnisse der Pilzbestimmung besitzt. Verwechslungsgefahr besteht besonders dann, wenn bestimmungsrelevante Teile eines Fruchtkörpers fehlen, er also z.B. oberhalb der Basalknolle bzw. Volva abgetrennt wurde, der Ring oder der gesamte Stiel fehlen oder sich beim Transport vom Rest getrennt haben. Auf Grund der außerordentlichen Giftigkeit der Art gilt hier besonders, was auch sonst beachtet werden sollte: drehen Sie einen Ihnen unbekannten Pilz immer mitsamt der Basis aus dem Substrat und bewahren ihn gegen Beschädigung geschützt und getrennt von zum Verzehr bestimmten Pilzen auf. Wenn sich einzelne Teile in einem gemeinsamen Korb lösen, ist nicht nur die Bestimmung erschwert, sondern können z.B. schon einzelne Lamellen, die an essbaren Pilzen anhaften, zu schweren Leberschäden führen.

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f
2 Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 331
3Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 38ff
4Leitfaden für Pilzsachverständige, Hrsg: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DgfM) e.V. und Landesgesundheitsamt Mecklenburg-Vorpommern, 2. durchgesehene Auflage von 2006, S. 17F