Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Igelwulstling

Weitere deutsche Namen: Stachelschuppiger Wulstling, Stachelschuppiger Knollenblätterpilz
Wissenschaftlicher Name:

Amanita solitaria (Bull.) Fr. 1836

Allgemeine Beschreibung:

   Amanita solitaria (Igelwulstling oder Stachel­schup­pi­ger Wulstling bzw. Stachelschuppiger Knollenblätterpilz) ist nach Bon eine Art der Sektion Lepidella aus der Familie Amanitaceae1. Der Name wird in der Mycobank als legitim und im Index Fungorum als aktuell gelistet (Stand jeweils 06.06.2012). Einige Autoren, so auch Bollmann, Gminder, Reil sehen den Namen synonym zu Amanita echinocephala, was im Index Fungorum und in der Mycobank jedoch nicht so verzeichnet ist. Bis auf Weiteres wird hier davon ausgegangen, dass beide Namen die gleiche Sippe bezeichnen. Anders als in dem ABBILDUNGSVERZEICHNIS EUROPÄISCHER GROSSPILZE wird auf diesen Seiten jedoch dem hier aufgeführten Binomen der Vorzug gegeben, da es früher beschrieben wurde.

   Der giftverdächtige Igelwulstling hat nach Bon einen elfenbeinfarbenen, sechs bis 12 cm durchmessenden und bald ausgebreiteten Hut mit weißen, pyramidenförmigen Velumresten. Die Lamellen haben eine graugrünen Schimmer. Der acht bis 15 cm lange und ein bis zwei cm dicke Stiel hat einen häutigen Ring und endet in knollig verdickter und flockig gegürtelter Basis, die oft leicht wurzelt. Das Fleisch ist schmutzig weißlich. Geruch und Geschmack sind unangenehm. Als mediterrane Art, die meist in Laubwäldern auf kalkhaltigem Boden wächst, kommt er in Deutschland hauptsächlich in Auwäldern vor. Seine ellipsoiden Sporen sind neun bis elf µm lang und sechs bis 7,5 breit.1
   Abweichend davon bzw. ergänzend dazu ist nach Knudsen & Vesterholt der anfangs halbkugelige und später über konvex bis ausgebreitete Hut nur drei bis neun cm breit, creme-grau bis gelbbraun und trägt spitze, dauerhafte Flocken. Das Velum universale kommt in den gleichen Farben wie der Hut vor. Der weißlich bis grau-weißliche, keulenförmige Stiel mit weißlichem Ring ist vier bis acht cm lang, 1,5 bis vier cm breit und läuft in wurzelnder, verdickter Basis mit konzentrischen Flocken aus. Der Geruch ist unbedeutend oder erdig. Er kommt im Sommer bis Herbst in Buchenwäldern mit kalkhaltigem Boden vor und ist sehr selten. Die Sporenmaße sind 9-12 x 6-8 µm.2
   Nach Krieglsteiner kann der Hut bis 16,5 cm durchmessen, ist weiß bis mausgrau. Die bei Trockenheit schwer abwischbaren Hüllreste auf ihm zerfallen mehlig bei Regen. Die Lamellen können bis schmutzig grau- oder olivgrün sein und bräunen von der Schneide her. Der Stiel ist schwach gelb- bis olivgrünlich. Der Ring ist oberseitig schwach gerieft, auf der Unterseite filzig und am Rand warzig. Die Trama ist weißlich mit grünlichem Schimmer und riecht apothekenartig.3
   Hahn & Lohmeyer weisen darauf hin, dass die im Raum München häufige Art der einzige in Deutschland vorkommende Wulstling mit gefärbtem Sporenpulver ist. Der Sporenpulverabdruck hatte bei ihrer Untersuchung einen anfangs nur zu erahnenden Grünton und schlug schnell in creme-gelb um.4
   In den meisten Pilzbestimmungsbüchern, so auch in den beiden zuerst genannten[5, 6], werden bereits die Amanitaceae (Knollenblätterpilzartige) bzw. die Gattung Amanita (Wulstlinge) mit stets weißem Sporenpulver und frei stehenden Lamellen geschlüsselt, bei Krieglsteiner jedenfalls mit ausschließlich weißen Sporenpulver7. Auf der Seite der vorgenannten Familie wird detailliert dargelegt, dass dies nicht stimmt.

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f
2Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 332
3Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 44ff
4Hahn, C & Lohmeyer, T (2010): MYKOLOGIA BAVARICA, Band 11, April 2010, S. 37ff
5Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 21f
6Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 325F
7Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 8