Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Kegelhütiger Knollenblätterpilz

Wissenschaftlicher Name:

Amanita virosa (Fr.) Bertill. 1866

Speisewert: tödlich giftig
Kegelhütiger Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Kegelhütiger Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel
Kegelhütiger Knollenblätterpilz
© Dirk Harmel

Allgemeine Beschreibung:

   Amanita virosa (Kegelhütiger Knollenblätterpilz) ist nach Bon eine Art aus der Sektion Phalloideae in der Familie Amanitaceae.1 Das Index Fungorum sieht den Namen als aktuell an (Stand 08.06.2012).

   Nach Bon ist die Art auf sauren Böden in Laub- und Nadelwäldern weit verbreitet. Der Hut ist milchweiß, im Zentrum manchmal blass ocker, stumpf kegelig und kann asymmetrisch oder gelappt sein, seine Haut ist leicht schmierig und ohne Velum. Die weiteren Pilzteile sind weiß. Die sackartige Volva hat oft ein oder zwei weit hinauf reichende Zipfel, der Ring ist meist schief, oft nur teilweise erhalten oder fehlend auf flockig schuppigem oder "zerzaustem" Stiel, die Lamellen sind mehr oder weniger aufsteigend. Die Sporen sind rundlich mit ca. neun µm im Durchmesser.1
   Die   Funga Nordica beschreibt Amanita virosa mit drei bis zwölf cm durchmessenden, erst konischen, dann glockenförmig bis ausgebreiteten, oft asymmetrischen Hut mit Buckel. Die Lamellen können weiß oder cremefarben sein. Der sechs bis 16 cm lange und sechs bis 20 mm breite, zylindrisch bis keulig geformte Stiel endet in verdickter Basalknolle. Der Geruch ist ekelerrend honigartig. Die Sporen sind mehr oder weniger rund, sie durchmessen sieben bis acht µm.2
   Krieglsteiner ist zu entnehmen, dass der Hut auch spitzkegelig sein kann, im Alter von der Mitte her gelblich verfärbt, bei Feuchtigkeit schmierig-klebrig und bei Trockenheit seidig matt ist. Sein lange eingebogener Rand trägt nicht selten Reste der Teilhülle. Die weichen Lamellen sind angeheftet, der schlanke Stiel reißt längsfaserig und endet in häutiger und mehr oder weniger anliegender Volva. Der Geruch ist süßlich-rettichartig. KOH und NaOH färben Huthaut und Trama zitronengelb.3
   Der Kegelhütiger Knollenblätterpilz enthält Amanitin in größerer Menge und ist somit tödlich giftig.4
   Wie bei den meisten Autoren, so sind auch nach den vorgenannten die Lamellen bei allen Amaniten stets freistehend. Auf der Seite der übergeordneten Gattung wird ausführlich dargelegt, dass dies falsch ist. Nach eigenen Beobachtungen kann die Stielbasis auch gerade sein.
   Die Fruchtkörper der Art entsprechen dem in der Seite der Gattung aufgeführten Typ 1. Den Merkmalen der übergeordneten Sektion folgend, ist das Sporenpulver weiß und amyloid.

   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht   vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:

•Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
•Hygrophanität
•Autolyse
•Anastomosen
•Lamellengabelung
•Stielfeuchtigkeit
•Stieldichte
•Ring / Manschette / Cortina
•Hypogäische Pilzteile
•Milch
•Exsudation
•Verfärbung(en) bei Verletzung
•Soziabilität

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
nicht vorhanden
Fruchtkörpergröße
mittel
Hymenophor
Zwischenlamellen
vorhanden
Lamellengabelung
nicht vorhanden
Hymenophorfarbe
hell (creme, elfenbein, etc), weiß
Hymenophoransatz
angeheftet, frei
Art des Hymenophors
Lamellen
Anastomosen (Querverbindungen zwischen den Lamellen)
nicht vorhanden
Velum
Velum universale (Gesamthülle)
vorhanden
Velum partiale (Ring, Cortina, etc)
vorhanden
Velum an der Basis
sackartig bescheidet
Velum am Hut
fehlend, Velumreste am Hutrand
Ring / Manschette / Cortina
Ring hängend angewachsen
Farbe des Ringes / der Cortina
weiß
Stiel
Stielkonsistenz
bricht faserig
Stielform
keulig, zylindrisch
Stielfeuchtigkeit
trocken
Stielbasis
verdickt, gerade
Stielansatz
mittig
Hypogäische Pilzteile
fehlend
Hut und Stiel leicht trennbar
ja
Grundfarbe des Stieles
weiß
Beschaffenheit der Stieloberfläche
flockig, schuppig
Umweltfaktoren
Soziabilität
gesellig, einzeln
Habitat
Mischwald, Laubwald, Nadelwald
Bodenqualität
sauer
Milch
Milch
fehlend
Exsudation (Guttationstropfen)
fehlend
Hut
Hygrophanität
nicht vorhanden
Hutrippung
Hut ungerieft oder nur im Alter leicht gerieft
Hutform
konisch, ausgebreitet, kegelig, glockig
Hutfeuchtigkeit
klebrig, schmierig
Hutfarbe ( Hauptfarbe)
ocker, gelb, hell (creme, elfenbein, etc), weiß
Hutbuckelung
ungebuckelt
Beschaffenheit der Hutoberfläche (ohne Berücksichtigung des Hutvelums und Feuchtigkeit)
glatt
Autolyse
nicht vorhanden
Olfaktorische / gustatorische Wahrnehmung
Geruch
rettichartig, anfangs unauffällig, später unangenehm (Kunst-)Honigartig, nach Rosen, etc.
Fleisch
Fleischfarbe
weiß
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
reinweiß bis blasscreme
Amyloidität
amyloid
Veränderungen / Reaktionen
Chemische Reaktionen
mit NaOH gilbend, mit KOH gilbend

Mikroskopische Merkmale

Sporenornament
glatt
Sporenform ( ohne Ornamentation)
rundlich
Sporenart
Basidiospore
Cheilozystiden
ballonförmig
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4
Sporengröße (Breite x Länge):
7,0 bis 9,0 µm x 7,0 bis 9,0 µm

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 298f
2Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 331
3Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 47f
4Leitfaden für Pilzsachverständige, S. 17f, Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) e.V. und Landesgesundheitsamt Mecklenburg-Vorpommern, 2. durchgesehene Auflage von 2006