Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Laubwald-Rotkappe

Weitere deutsche Namen: Espen-Rotkappe, Rothaut-Röhrling
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum aurantiacum (Bull.) Gray 1821

Laubwald-Rotkappe
© Dirk Harmel
Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum aurantiacum (Laubwald-Rotkappe)
Laubwald-Rotkappe
© Dirk Harmel
Laubwald-Rotkappe
© Dirk Harmel

Allgemeine Beschreibung:

Leccium aurantiacum (Laubwald-Rotkappe) ist laut Den Bakker & Noordeloos1 die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), sie betrachten den Namen als aktuell (Stand jeweils 05.01.2013). Hinzu geordnet sind die bei anderen Autoren aufgeführten Arten L. populinum und L. quercinum. Entgegen anderen Autoren heben Den Bakker & Noordeloos1 den Artrang von L. populinum und L. quercinum auf und stufen diese als Farbvarianten von Leccium aurantiacum ein.

Vorkommen
Einzeln oder gesellig auf mesotrophen, sandigen oder lehmigen Böden. Mykorrhiza bildend mit Populus, Quercus und Betula, seltener mit Salix, Fagus, Castanea oder Tilia. Auf Grund der Mykorrhiza-Parner nicht auf allzu trockenen Böden anzutreffen, auf basischen Böden ist sie ebenfalls nur selten zu finden.

Verbreitung
Leccium aurantiacum ist in nahezu allen Laubwaldgesellschaften incl. Vorwaldstufen anzutreffen. Schwerpunkt der Fruchtkörperbildung ist Juni bis Oktober7.
In Europa allgemein verbreitet, im Süden und Westen seltener, nach Norden und Osten häufiger werden7.

Morphologie
Hut 30-150(-280) mm im Durchmesser, flachkonisch bis konisch-konvex   oder jung halbkugelig, mit zunehmenden Alter ausgebreitet bauchig bis polsterförmig.Der Rand ist nach unten eingerollt, deutlich dreieckig oder unregelmäßig als Hutkrempe die Röhren überdeckend und bis zu 6 mm lang. Sehr deutlich ist das bei jungen Exemplaren zu beobachten, aber auch bei ausgereiften Fruchtkörpern verschwindet es selten. Die Hutfarbe ist lebhaft rot bis rot-braun, zum Rand hin bisweilen mehr orange-gelb, anfangs schwach filzig, sich im Alter als kleine Schüppchen auflösend. Die Röhren sind anhängend bis angewachsen, segmentförmig bis aufgebläht, 9-30 mm lang, creme-weiß bis sehr blass-braun.
Poren ca. 0,2-0,5 mm im Durchmesser, gelblich weiß bis sehr matt braun und auf Druck bräunend.
Der Stiel hat eine Bemaßung von50-270 mm x 15-50 mm, seine Form ist zylindrisch, keulig bis spindelförmig, die Farbe weißlich, häufig mit einer deutlichen Blaufärbung an der Basis und besonders an Druckstellen. Die Stielhaut ist gänzlich mit Schüppchen bedeckt, die zur Spitze hin kleiner und isolierter liegen. Richtung Stielbasis werden sie gröber, dichter und verkleben miteinander. Die Farbe ist anfangs rötlich, im Alter zu rot-braun oder rötlich-schwarz dunkelnd.
Das ist Trama weiß, die Druckstellen violett-grau, grau oder schwärzlich anlaufend, an Stängelbasis oft blau-grün färbend.
Die Sporen haben eine Größe von 12,5-18,5 (-22,5) x 3,6-5,1 (-6,1) µm, Q = 2,8 - 4,1, Qav= 3,5; Die Form ist spindelförmig mit kegelförmiger Spitze und einem deutlich eingedrücktem Hilarfleck, Farbe verblassend, in Wasser purpur-braun. Die Basidien haben eine Größe von 18,5 -25,0 x 6,5-10,5 µm und sind   schwach keulig, 2- oder 4-sporig. Hymenozystiden 20-45 x 5-8 µm, eng flaschenförmig und durchschei¬nend in rohrförmigen Hymenium, schwach keulen- oder euterförmig mit rötlich-braunem Inhalt auf der Oberfläche. Die Huthaut besteht aus einem kompli¬zierten Trichoderm aus kurzen zylindrischen Elemen¬ten, die abschließenden Zellen sind häufig kegelförmig oder zylindrisch mit aufgesetzter Spitze, 31,5-99,0 x 3,0-15,5 µm, Zellen in der Huthaut 50-68 x 5,5-12,5 µm, Pigmente im Wasser vacuolär oder in Tröpfchen, grö¬ßere Elemente häufig intrazellulär rot-braun verkrustet. Kaulozystiden 33,0-60,0(-89.5) x (6,5-) 12,5-20,5µm, schwach keulig mit scharfer oder stumpfer Spitze bis fast gestielt (spheropedunculate), selten euter- oder spindelförmig, häufig sind auch schmal flaschenförmige Zystiden vorhanden. Große Zystiden haben normalerweise einen rötlich braunem Inhalt in KOH, kleine Zystiden flaschenförmig und normalerweise durchsichtig. Es sind keine Schnallen vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Leccinum albostipitatum (Weißschuppige Rotkappe) hat eine weiße Stielbeschuppung

Verwendung

Essbar, steht aber wie alle Leccinum-Arten in Verdacht, roh giftig zu sein.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg