Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Perlpilz

Weitere deutsche Namen: Rötender Wulstling
Wissenschaftlicher Name:

Amanita rubescens Pers. 1797

Perlpilz
© Dirk Harmel
Amanita rubescens - Perlpilz
Perlpilz
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auch Rötender Wulstling genannt
Perlpilz
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Lamellen bei diesem Exemplar gerade angewachsen
Perlpilz
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geriefter Ring
Perlpilz
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leicht verdickte Stielbasis ohne Hüllreste
Perlpilz
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oft schon jung bei Madenfraß rötend
Perlpilz
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Stiel von schmal-zylindrisch mit nur angedeuteter basaler Verdickung bis zu stämmig mit ausgeprägter Knolle
Perlpilz
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Bei Exemplaren mit dicker Knolle reißt diese bisw. auf..
Perlpilz
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...wodurch hier Ähnlichkeit mit der abgesetzten Knolle von A. pantherina entsteht

Allgemeine Beschreibung:

   Amanita rubescens ist nach Bon eine Art aus der Sektion Validae in der Familie Amanitaceae.1 Das Index Fungorum sieht den Namen nicht als aktuell an, dort sind die Namen der Varianten rubescens und annulosulphurea als aktuell gelistet (Stand 08.06.2012).

   Nach Knudsen & Vesterholt trägt Amanita rubescens einen fünf bis 15 cm durchmessenden, erst hablkugeligen, bald konvexen bis ausgebreiteten, rötlich-ockerfarbenen bis blass rotbraunen Hut mit leicht abwischbaren, weißlichen bis rotbraunen Fragmenten des Velum universale und weißen Lamellen. Ihr zylindrischer bis keulenförmiger Stiel mit gerundeter Basalknolle misst 6-15 x 1,5-4 cm und trägt einen weißen, gerieften Ring. Der Geruch ist unbedeutend. Ihr Fleisch läuft an Verletzungen oder Fraßstellen sehr langsam rotbraun an. Die sehr häufige Art wächst im Sommer bis Herbst unter Laub- und Nadelbäumen. Die breit elliptischen Sporen messen 8-9 x 6-7 µm.2
   Bon beschreibt den Hut der in der Sektion Validae stehenden, essbaren, jedoch roh unbekömmlichen Art als rosa bis rotbraun gefärbt mit unregelmäßig verteilten, kleinen, weißen bis schmutzig gelblichen Velumflocken und weißen Lamellen, die oft rosa oder rötlichbraune Flecken aufweisen. Der weiße und   besonders an Madenfraßgängen rosabräunliche oder weinrote Stiel kann bei ihm bis 20 cm lang und fünf cm breit werden. Er trägt an knollig verdickter Basis bald nur noch Reste der Gesamthülle, die dort auch völlig fehlen können.3
   Krieglsteiner beschreibt den Perlpilz abhängig von Standort und Witterung als sehr heterogen. Der Hut findet sich in neben den vorgenannten Farben auch in graugelb bis grauweißlich und ist mit grauweißen bis rötlichgrauen, bei Regen oft fehlenden Pusteln bedeckt. Es wurde jedoch auch ein rein weißes Exemplar gefunden. Die angehefteten, recht breiten und weichen sowie eng stehenden Lamellen werden im Alter rotfleckig. Der weiße Stiel ist bei längerer Trockenheit genattert und im Alter hohl, nach oben hin verjüngt und weiß gestreift, unterhalb des hängenden Ringes mehr rötlich, faserig flockig bis kleinschuppig. Der Übergang zur Knolle ist nicht abgesetzt, sondern "in den Stiel verlaufend" und von undeutlichen Warzenringen begleitet.   Das Fleisch ist unter der abziehbaren Huthaut rosa bis rotbraun, sonst weiß und nur bei Verletzungen oder längerem Liegen rötlich verfärbend, es schmeckt erst süßlich, dann kratzend. Bei der kleinhütigen Variante annulosulphurea sind Ring und Stielspitze schwefelgelb, der Hutrand oft kurz gerieft.4
   Hahn & Lohmeier schreiben, sie fänden A. rubescens oft mit ausgebuchteten Lamellen.5
   Gutmann, Hahn, Reichel weisen darauf hin, dass der wegen seiner die Magentätigkeit anregenden Wirkung früher "Gurgelmagen" genannte, wohlschmeckende Speisepilz Schwermetalle wie Cadmium und Rubidium anreichert und Rubescenslysin, einen hämolytischen Stoff, sowie weitere Agglutinine enthält, die hitzelabil sind und durch ausreichendes Garen zerstört werden.6

   Entsprechend den Merkmalen der übergeordneten Taxa ist das Sporenpulver der auch Rötender Wulstling genannten Art weiß und amyloid.
   Nach eigenen Beobachtungen kann die Farbe des Hutes bis ins hell-elfenbeinfarbene reichen. Der von Krieglsteiner angeführte Fund eines rein weißen   Exemplars scheint jedoch ein Einzelfall zu sein, der hier keinen Eingang in die Merkmalliste findet. Dies sollte dennoch beobachtet werden, Meldungen von entsprechenden Funden an den Autor dieses Artikels, gerne mit Photo, werden begrüßt. Unter der Huthaut der von mir entdeckten Exemplare war meist, jedoch nicht immer, ein beige- bis ocker- oder rosafarbener, weinrötlicher oder rotbrauner Schimmer auf der Trama zu erkennen, deren Stiel war selten rein weiß sondern eher hell-elfenbeinfarben und trug meist auch ohne Verletzungen bzw. Madenfraß die beim Hut aufgeführten rötlichen Farben. Sein Ring ist ebenfalls eher hell-elfenbeinfarben denn rein weiß. Lamellen und Fleisch sind weißlich, jedoch nicht immer rein weiß, so dass ihnen hier neben dieser Farbe auch "hell (creme, elfenbein, etc)" zugewiesen wird. Die Fruchtkörper der Art entsprechen dem in der Seite der Gattung aufgeführten Typ 4.
   Wie bei den meisten Autoren, so werden auch nach Bon und Knudsen & Vesterholt die Amaniten stets mit freistehenden Lamellen geschlüsselt. Auf der Seite der übergeordneten Gattung wird ausführlich dargelegt, dass dies falsch ist. Wie oben beschrieben, zeigen Krieglsteiner sowie Hahn & Lohmeier, dass A. rubescens neben freistenden auch angeheftete oder ausgebuchtet angewachsene Lamellen haben kann. Die von mir gefundenen Exemplare hatten ein freistehendes, angeheftetes oder breit angewachsenes Hymenophor.

   Zu dem von mir sonst in Bezug auf den Speisewert einer Art sehr geschätzten Taschenlexikon der Pilze Deutschlands ist zu den oben zitierten Ausführungen zum Perlpilz anzumerken, dass diese etwas ungenau sind. Zunächst ist Rubidium kein Schwer- sondern ein Leichtmetall, das auch nicht wegen physiologischer Schädlichkeit bei geringen Dosen bekannt ist. Da keine quantitative Angabe zu diesem Stoff erfolgte, ist mir unklar, weshalb er überhaupt erwähnt wurde. Anders ist dies bei Cadmium oder den sonstigen Schwermetallen, die auch in kleinsten Mengen bedenklich sind. Nun sind diese jedoch in Böden, Pflanzen und höheren Gliedern der Nahrungskette allgemein verbreitet, die Konzentration bei unterschiedlichen   Arten schwankt stark. Pilze sind allgemein dafür bekannt, Schwermetalle zu akkumulieren, oft ist zu lesen, man solle diese daher nicht zu oft verzehren. Hilfreich wäre daher auch hier eine Angabe der Konzentration dieser Stoffe gewesen, um einschätzen zu können, inwieweit Amanita rubescens nun bedenklicher ist als andere Pilze. Bezüglich der sogenannten hämolytischen Wirkung im rohen Zustand ist positiv herauszustellen, dass hier, anders als bei Bon, der nur von Unbekömmlichkeit spricht, deutlich von Giftigkeit geschrieben wird. Wünschenswert und dem Anspruch des Werkes angemessen wäre allerdings gewesen, eine konkrete Zeit der Erhitzung anzugeben, in der die entsprechenden Stoffe zerstört werden, statt nur   "ausreichendes Garen" zu empfehlen. Mehr dazu lesen Sie in Kürze auf diesen Seiten unter Pilzvergiftungen.

   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:

•Stielfeuchtigkeit
•Soziabilität
•Schärfe

Weitere Quellenangaben

1Bon, M. (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 296F
2Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 326
3Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 296F
4Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 42ff
5Hahn, C & Lohmeyer, T (2010): MYKOLOGIA BAVARICA, Band 11, April 2010, S. 39
6Guthman, J.; Hahn, Dr. C; Reichel, R. (2011): Taschenlexikon der Pilze Deutschlands, 1. Auflage, Quelle & Meyer Verlag GmbH   & Co., Wiesbaden, S. 54ff