Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Roter Fliegenpilz

Wissenschaftlicher Name:

Amanita muscaria Pers. 1794

Roter Fliegenpilz
© Dirk Harmel
Amanita muscaria - Roter Fliegenpilz
Roter Fliegenpilz
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Roter Fliegenpilz
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Schuppengürtel an der Basalknolle
Roter Fliegenpilz
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Flocken auf dem Hut können fehlen
Roter Fliegenpilz
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Hutfarbe bei geschlossenem Velum nicht erkennbar
Roter Fliegenpilz
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Allgemeine Beschreibung:

   Amanita muscaria (Roter Fliegenpilz) ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Amanita (Wulstlinge), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 09.06.2012). Der wohl bekannteste Pilz überhaupt wird verdächtigt, purpurn bemäntelt, still und stumm auf einem Bein, allein im Wald herum zu lungern, nur durch die schwarze Kappe aus Dichters Weise exkulpiert, die den wahren Schuldigen nicht in diesem Reiche sucht.
   Amanita muscaria ist Namensgeberin für das Muscarinsyndrom, eine Vergiftung mit Wirkung auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem. Dabei hat sich heraus gestellt, dass im Roten Fliegenpilz nur geringe Mengen von Muscarin enthalten sind, die bei einer Vergiftung durch diesen Pilz keine bedeutende Rolle spielen. Die relevanten Gifte dieser Art sind Ibotensäure, Muscimol und Muscazon, die das Pantherina-Syndrom auslösen, welches sich ebenfalls durch Herz-Kreislauf-Störungen und zusätzlich durch einen schweren Rausch mit Halluzinationen und Erregungszuständen auszeichnet.1 Für den Namen dieser Vergiftung stand Amanita pantherina Pate, in der diese Gifte in sehr hoher Konzentration enthalten sind. Im Fliegenpilz hingegen ist die Konzentration deutlich niedriger, so dass Todesfälle durch seinen Verzehr selten sind.2

   Nach Knudsen & Vesterhold trägt Amanita muscaria einen sechs bis 20 cm breiten, roten, gelegentlich nach blass orange entfärbten, erst halbkugeligen, dann konvexen bis ausgebreiteten Hut mit losen, weißen bis gelblichen Fragmenten des Velum universale. Die Lamellen sind weiß, ebenso der 8-25 x 1-2,5 cm messende, zylindrisch oder keulig geformte und bestäubte oder beflockte Stiel, der in einer bis zu fünf cm breiten Basalknolle mit ringförmig angeordneten, schuppigen Volvaresten ausläuft und einen häutigen, weißen Ring mit gelblichem Rand trägt. Die weit verbreitete Art wächst vom Sommer bis zum Herbst unter Laub- und Nadelbäumen, sehr oft unter Birken, Kiefern und Fichten, besonders auf sandigen oder moorigen Böden. Die breit elliptischen Sporen messen 8-10 x 6-7 µm.1
   Bon gibt an, der Hut des Fliegenpilzes sei leicht gebuckelt mit gerieftem sowie leicht eingerolltem Rand und könne besonders nach Regen auch orange ausblassen oder gelb fleckig sein, die anfangs auf ihm konzentrisch angeordneten, kleinen, weißen, regelmäßigen Flocken verflüchtigten sich später oft, die Stielbasis könne gelblich sein, das weiße Fleisch schmecke nussartig. Die Sporen sieht er mit 9-11 x 7-9 µm deutlich größer als die vorgenannten Autoren.2
   Gerhardt weist darauf hin, dass bei sehr jungen Exemplaren dieser Art (gemeint sind noch geschlossene Fruchtkörper, wie anhand eines Photos dort erkennbar, der Bearbeiter) die rote Huthaut und die darunter liegende, typisch gelbe Farbzone im Längsschnitt sichtbar werden.3
   Wer Amaniten zu Speisezwecken sammelt, sollte sich dennoch genau überlegen, ob er noch geschlossene Exemplare nimmt, denn auch wenn sich die hier vorgestellte Art relativ leicht erkennen lässt, dürfte der Pantherpilz in diesem Zustand nicht so leicht vom Perlpilz nur anhand der Färbung der Huthand zu unterscheiden sein.
   Der übergeordneten Untergattung entsprechend ist das Sporenpulver dieser Art weiß und inamyloid.


   Zu folgenden Merkmalen wurden keine Angaben in der Literatur gefunden, was bedeuten kann, aber nicht muss, dass sie bei dieser Art nicht   vorkommen oder keine Rolle spielen. Die hier gemachten Angaben bei diesen Merkmalen beruhen auf eigenen Beobachtungen:

- Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
- Hutfeuchtigkeit
- Hygrophanität
- Autolyse
- Anastomosen
- Stielfeuchtigkeit
- Stieldichte
- Hypogäische Pilzteile
- Milch
- Exsudation
- Verfärbung(en) bei Verletzung
- Soziabilität

Verwechslungsgefahr

   Auf Grund seines markanten Aussehens und Bekanntheitsgrades fällt es wohl schwer, den Fliegenpilz mit anderen Arten zu verwechseln. Dies gilt jedoch nur, solange der Fruchtkörper in toto erhalten ist. Sind die Flocken auf dem Hut nach Regen abgewaschen oder durch Reiben an anderen Pilzen im Korb abgefallen, so fehlt ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Wurde der Pilz über der Knolle abgeschnitten und der Ring abgegriffen, so ist der Rest nur für den erfahrenen Pilzfreund überhaupt als Wulstling zu erkennen, geschweige denn genau zu bestimmen. So gilt hier besonders, was grundsätzlich beim Sammeln von Speisepilzen beachtet werde sollte: Legen Sie nur solche Exemplare in den Korb, die sie genau kennen. Entnehmen Sie unbekannte oder nicht sicher bestimmte Pilze immer mit sämtlichen, also auch unterirdischen Teilen vom Substrat und bewahren diese gegen Bruch oder Abrieb gesichert sowie einzeln verwahrt auf und legen sie bei einer Pilzberatung vor.

Weitere Quellenangaben

1Leitfaden für Pilzsachverständige; Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DgfM e.V.) und Landesgesundheitsamt Mecklenburg-Vorpommern, 2. durchgesehene Auflage von 2006, S. 27
2 E. Gerhardt (2004): PILZE SAMMELN ABER RICHTIG, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München, S. 31
3Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen S. 326
4Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 296f
5 E. Gerhardt (2004): PILZE SAMMELN ABER RICHTIG, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München, S. 27, 30