Deutscher Name:

Schiefer-Birkenpilz

Weitere deutsche Namen: Schiefer-Raustielröhrling
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum schistophilum Bon, 1981

Speisewert: essbar
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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum schistophilum (Schiefer-Birkenpilz)

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum schistophilum M. Bon L. palustre M. Korhonen, Schiefer-Birkenpilz; Lannoy & Estades, Mon. Leccinum: pl. 30. 1995; Korhonen in Karstenia 35: p. 62, Fig. 11 (as L. palustre). 1995
Leccinum schistophilum ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 29.04.2013).
Maßgebend für die Morphologie ist die Arbeit von Den Bakker & Noordeloos (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa 1

Vorkommen und Verbreitung
Einzeln oder gesellig auf basischen sandigen, Moos bedeckten Böden, bevorzugt in humidem Klima. die Verbreitung ist nicht geklärt, da die Art bisher mit L. scabrum gleichgestellt war.
Erstfund in Deutschland 2004 von Welt, P. und Hahn, C. 14

Morphologie
Hut 25-110 mm im durchmesser, konvex ausgebreitet bis schwach gewölbt, mit eingeschlagenen Rand, die Röhren nicht deutlich überdeckend, leicht gelblich braun, gräulich braunbis dunkelbraun, häufig gleichmäßig gefärbt aber manchmal mit leichten Flecken, die Haut mit einer matten festen Struktur. Röhren nah bis weitgehend angewachsen, 9-25 mm lang, bauchig bis nahezu bauchig, anfangs gelblich-weiß, im späteren Stadium gräulich bis rosa angehaucht. Poren im Durchmesser 0,5 mm, weißlich bis gelblich-weiß, auf Druck bräunend. Stiel 46-150 mm x 9-25 mm, zylindrisch bis keulig, gräulich-weiß bis bräunlich, leicht dunkel bedeck mit feinen Schuppen, wobei zwischen Spitze und Stielbasis kaum Unterschiede zu finden sind. Die Schuppen sind anfänglich bräunlich, verfärben sich aber zunehmend gräulich bis schwarz. Das Trama ist weiß mit einer Tendenz zu gräulich, verfärbt sich im Hut und oberen Stielbereich rosa, im unteren Stiebereich öfters blau-grün. Manchmal tritt auch keine Färbung auf, selten beobachtet man nach Stunden eine Graufärbung.
Spores (13,0-) 13,5-17,0 x 5,0 µm 6,5 (-7,5) µm, Q = 2,3-3,1 (-3,4), Q = 2.8, halbzylindrisch bis spindelig. Basidien 24,0-27,5 x 10,0-11,5 µm, 4-sporig. Hymenozystiden 32,0-43,5 x 7,5-9,0 µm, flaschenförmig. Die Huthaut ist eine dichtes hautähnliches Deckschicht   aus zylindrischen bräunlichen bis dunkelbraunen Zellen, (3,5-) 4,5-8,0 µm breit, manchmal zusätzlich breiten (7,0-11,5 µm), klaren Zellen. Kaulozystiden 33,0-70,5 x 11,0-20,5 µm, spindelig keulicg oder flaschenförmig. Schnallen sind nicht vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Die Typus Form von Leccinum schistophilum ist der schmale, schlanke Habitus, der hell gräulich-braune Hut, der weiße Stiel mit den gräulich-schwarzen Schuppen sowie die grün-blaue Verfärbung an der Stielbasis. Fruchtkörper mit einem braunen Hut und einem nicht färbenden Fleisch können von L scabrum nur auf Grund der unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen (L. schistophilum wächst für gewöhnlich in feuchten Habitaten, L. scabrum dagegen in trockeneren Biotopen) in Verbindung mit den mikroskopischen Merkmalen unterschieden werden (Kaulozystiden, durchschnittlicher Q-Wert der Sporen und unterschiedliche Huthautstruktur). Große Exemplare können mit L. variicolor verwechselt werden, wenn gleichzeitig eine deutliche Verfärbung des Tramas zu beobachten ist. Mikroskopisch lassen sich beide Arten leicht unterscheiden, jedoch nur in der Struktur der Huthaut, die bei L. schistophilum aus langen zylindrischen Zellen bestehen, wo hingegen die Huthaut bei L. variicolor aus Ketten von kurzen zylindrischen Zellen zusammengesetzt ist. Weiterhin sind septierte, flaschenförmige Kaulozystiden bei L. variicolor in der Überzahl, während sie bei L. schistophilum nur gelegentlich auftreten. Bon (1981) hat die Art irrtümlicherweise in die Subsektion Leccinum unterstellt, weil die Graufärbung nach mehreren Stunden überbewertet wurde. Den Bakker et al. haben gezeigt, dass Leccinum schistophilum in die Subsektion Scabra einzuordnen ist.

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Synonyme nach Index Fungorum
Krombholziella schistophila (Bon) Alessio, Boletus Dill. ex L. (Saronno): 458 (1985)
Leccinum palustre M. Korhonen, Karstenia 35(2): 63 (1995)

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling