Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Streiflinge

Weitere deutsche Namen: Scheidenstreiflinge
Wissenschaftlicher Name:

Amanitopsis Roze 1876

Streiflinge
© Dirk Harmel

Allgemeine Beschreibung:

   Amanitopsis (Streiflinge oder Scheidenstreiflinge) ist laut Bon eine Untergattung der Gat­tung Amanita in der Familie Amanitaceae1. Die Mycobank betrachtet den Namen als legitim mit dem Kommentar "nomen conservandum", das Index Fungorum sieht ihn als nicht aktuell an, dies allerdings im Rang einer Gattung und verweist auf Amanita. Knudsen & Vesterholt führen die Streiflinge als Sektion namens Vaginatae innerhalb der Untergattung Amanita2. Die Funga Nordica ist neueren Datums und nimmt Ein­tei­lun­gen mehr auf Basis molekularbiologischer Erkenntnisse vor als Bon, welcher eher auf makroskopische Merkmale abstellt. Die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse werden somit wohl eher von ersterem Werk erfasst. Da die Streiflinge sich jedoch makroskopisch sowohl von den weiteren Arten der o.a. Untergattung als auch von denen der Untergattung   Lepidella deutlich unterscheiden, ist es meines Erachtens zur Erleichterung der Bestimmung durchaus sinnvoll, sie Bon folgend als Untergattung Amanitopsis zu führen.

   Einige Streiflinge (z.B. Amanita fulva) haben ein zuerst am Scheitel aufplatzendes Velum universale, welches als sackartige Volva an der Stielbasis zurück bleibt, während am Hut selten Hüllreste zu finden sind. Ihre Fruchtkörper entsprechen somit   Typ 1 der in der Gattungsbeschreibung aufgeführten Typologie. Andere (z.B. Amanita ceciliae) weisen auf dem Hut flockige Velumreste auf, während die Stielbasis von mehreren Ringzonen gegürtelt ist. Deren Fruchtkörper lassen sich nicht eindeutig einem der o.a. Typen zuordnen.
   Anders als die Arten der o.a. weiteren Untergattungen haben die Streiflinge einen hohlen Stiel ohne Ring. Ihr Hutrand ist immer deutlich gerieft, was zwar auch bei den Arten der Untergattung Amanita der Fall ist, dort jedoch weniger ausgeprägt. Im Gegensatz zu den Arten der Untergattung Lepidella haben diejenigen dieser Untergattung genauso wie die der Untergattung Amanita inamyloides Sporenpulver.3
    Knudsen & Vesterholt geben zwar auch an, dass die Streiflinge keinen Ring haben, zuweilen jedoch vergängliche Hüllreste am Stiel sowie einen an der Basis nicht verdickten Stiel.4

   Alle Streiflinge sind gut gekocht essbar5, es sollte jedoch sicher gestellt werden, dass keine Verwechslung mit den giftigen Amaniten vorkommt. Insbesondere die tödlich giftigen Arten aus der Sektion Phalloideae innerhalb der Untergattung Lepidella haben einige Merkmale mit denen des hier beschriebenen Taxons gemein.


Folgende Schlüsselmerkmale auf Basis eigener Beobachtungen:

- Fruchtkörperrekonstitution
- Autolyse
- Milch
- Exsudation

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Velum
Velum universale (Gesamthülle)
vorhanden
Velum partiale (Ring, Cortina, etc)
nicht vorhanden
Ring / Manschette / Cortina
fehlend
Stiel
Stielkonsistenz
bricht faserig
Stieldichte
hohl
Stielbasis
gerade
Stielansatz
mittig
Hut und Stiel leicht trennbar
ja
Milch
Milch
fehlend
Exsudation (Guttationstropfen)
fehlend
Hut
Hutrippung
Hutrand gerieft
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
reinweiß bis blasscreme
Amyloidität
inamyloid/indextrinoid
Hymenophor
Art des Hymenophors
Lamellen

Mikroskopische Merkmale

Sporenornament
glatt
Sporenart
Basidiospore
Cheilozystiden
ballonförmig
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4

Weitere Quellenangaben

1Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 326
2Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 294f
3Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 294f
4Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 326
5Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 294f