Zum Pilze Sammeln in die Waldkarpaten
Zum Pilze Sammeln in die Waldkarpaten

Pilze Sammeln

   Als ich das ers­te Mal zum Pil­ze Sam­meln los zog dach­­te ich, wie wohl viel­e An­fän­ger, al­les was ei­nen Schwamm hat sei ess­bar und glaub­te, zu­min­dest Stein­pil­ze und Ma­ro­nen zu er­ken­nen. Mein Korb blieb bis auf ein paar ver­meint­li­che Braun­kap­pen, die sich als Rot­fuß­röhr­lin­ge ent­pupp­ten, leer.

   Das war ziem­lich frus­trie­rend und so ent­schloss ich mich, an einer gef­ühr­ten Pilz­wan­de­rung teil­zu­neh­men, um her­aus zu fin­den, wie der Korb voll wird. Mit der Zeit lern­te ich nicht nur ver­schie­de­ne Ar­ten ken­nen, son­dern mach­te die Er­fah­rung, dass sich der Er­folg ein­stellt, wenn man ein paar Prin­zi­pi­en be­her­zigt.

   Ei­ne der ers­ten Er­kennt­nis­se war, dass man ess­ba­re Pil­ze nicht nur im Herbst, son­dern wäh­rend des gan­zen Jah­res fin­det.

 

So macht's Spaß - Körbe voll der leckersten Reizker
So macht's Spaß - Körbe voll der leckersten Reizker

   Will man den Er­f­olg nicht dem Zu­­fall über­­las­­sen, dann ist es sinn­­voll, sich zu­­nächst mit der Le­­bens­­wei­se der Pil­­ze aus­­ein­­an­­­der­­zu­­set­­zen. Wer Myk­­kor­­rhi­­za bil­­den­­­de Pil­­ze von pa­r­a­­si­­tär le­­ben­­den und Sa­­pro­­phy­ten un­­ter­­schei­­den kann und die An­­for­­de­­run­­gen be­­stimm­­ter Ar­­ten an ih­­re Bi­­o­­to­­pe kennt, wird sich schon vor der Pilz­­ex­­kur­­si­­on Ge­­dan­­ken über Bo­­den­­be­­schaf­­fen­­heit und Pflan­­zen­­be­­wuchs ei­­nes Ge­­bie­­tes ma­ch­en, wenn er ge­­zielt nach ei­ner Art su­­chen möch­­te. Weiß man zu wel­­­cher Jah­­res­­zeit und bei wel­­cher Wit­­te­­rung ei­ne Art fruk­­ti­­fi­­ziert, dann hält man nach die­ser Wahr­­schau.

   Nach­­dem ich ei­­ni­­ge Ma­­le an be­­gle­i­te­­ten Ex­­kur­­si­­o­­nen teil­­ge­­nom­­men hat­­te, blieb der Er­­folg nicht aus. Zog ich da­­nach al­­lei­ne los und er­­kann­­te zu­­vor ge­­lern­­te Ar­­ten wie­­der, war ich stolz wie Os­­kar, wenn sich das bei der an­­schlie­­ßen­­den Pilz­­be­­ra­­tung als rich­­tig her­­aus­­stell­­te. Oft lag ich al­­ler­­dings noch da­­ne­­ben,

Manche Bergvölker bevorzugen Rotzer
Manche Bergvölker bevorzugen Rotzer

doch mit der Zeit lern­­te ich Gat­­tun­­gen, Fa­­mi­­li­­en, Ord­­nun­­gen und de­r­en ge­­mein­­sa­­me Merk­­ma­­le ken­­nen, was beim Nach­­schla­­gen in Pilz­­be­­stim­­mungs­­bü­­chern sehr hilf­­reich ist. Er­­wor­­ben ha­­be ich die­­­­­ses Wis­sen zu­­nächst in Pilz­­kur­sen, die auf die Prü­­fung zum Pilz­sach­ver­stän­di­­gen (PSV) vor­be­rei­ten. Doch auch nach er­­folg­rei­cher Prü­fung bil­de ich mich stän­dig wei­­ter, denn das Reich der Pil­ze ist so um­f­ang­reich, dass nie­mand al­le Ar­ten ken­nen kann, so wie auch kein Zo­o­­lo­­ge al­le Tie­re kennt. Na­tür­lich muss man nicht so tief ein­­stei­­gen, um Pil­ze zum Es­­sen zu sam­­meln. Ei­­ne ge­führ­te Pilz­wan­de­rung bie­tet ei­nen gu­­ten Ein­stieg in die Ma­te­rie und schon die Teil­­nah­me an ei­nem Schnup­per­kurs oder Ein­stei­­ger-Wo­ch­en­en­de sorgt für zu­künf­tig gut ge­­füll­­te Kör­be mit der nö­­ti­gen Si­cher­heit bei der Be­stim­mung.

   Seit ei­ni­ger Zeit un­ter­neh­me ich auch län­­ge­­re Rei­­sen, um be­­son­­de­­re Ar­­ten zu fin­­den. Den­­noch freu­­e ich mich im­­mer wie­­der, wenn ich mit­­ten in der Stadt und mit­­ten im Win­­ter die feins­­ten Schwam­­merln ent­­dec­ke.

 

   Das klingt ja alles sehr kom­pli­ziert und wis­sen­schaft­lich. Und ge­fähr­lich ist das doch auch, oder?

Keine Panik!

Grundregeln beim Pilze Sammeln

   In der Tat kön­nen Pilz­ver­gif­tun­gen töd­lich en­den, wes­halb ein ge­wis­ser Res­pekt an­ge­bracht ist. Gold­re­gen und En­gels­trom­pe­ten wür­den Sie ja auch nicht ver­put­zen. Doch mit ein paar Grund­re­geln ler­nen auch Sie, wie man si­cher und erfolg­reich Pil­ze sam­melt:

  • Essen Sie niemals einen Pilz, den Sie nicht 100 %ig sicher bestimmen können. Hierzu gehört, ALLE Merkmale der zu bestimmenden Art genau zu kennen.
  • Noch wichtiger ist es, von einer essbaren Art alle Doppelgänger und deren Merkmale zu kennen, um Verwechslungen auszuschließen.
  • Haben Sie nur den geringsten Zweifel, dann nehmen Sie eine Pilzberatung in Anspruch.
  • Erkundigen Sie sich über die Ausbildung des Pilzberaters. Viele Vergiftungen passieren auf Rat eines selbsternannten Fachmanns, der glaubt, sich auszukennen.
  • Bestimmen Sie eine Art niemals nur nach Photos, Zeichnungen oder Beschreibungen in Büchern, auf Internetseiten, etc, auch nicht nach den auf diesen Seiten. Anfängern sollten diese Quellen nur dienen, erste Einschätzungen vorzunehmen. Erst wenn Sie so firm sind, alle Ordnungen, Familien sowie Gattungen zu kennen und einen vorliegenden Pilz sicher einer Gattung zuordnen zu können, sollten Sie mithilfe anerkannter Fachliteratur selbst Bestimmungen vornehmen. Doch selbst dann lassen Sie Ihre Einschätzungen von jemandem verifizieren, der die Art genau kennt.
  • Fangen Sie gerade an, sich mit dem Pilze Sammeln zu beschäftigen, dann konzentrieren Sie sich auf wenige Arten und sammeln auch gezielt deren Doppelgänger. Legen Sie diese immer wieder einem Fachmann vor, so lange, bis Sie alle Merkmale dieser Arten und ihrer Doppelgänger genau kennen.
  • Am sichersten und erfolgreichsten lernen Sie die Pilzbetimmung, wenn Sie sich von Fachkundigen geführten Exkursionen anschließen.
  • Möchten Sie für Sie neue Pilze kennen lernen, dann beschränken Sie sich auf maximal drei Arten pro Tag bzw. Exkursion, mehr verwirrt. Erst wenn Sie diese im Schlaf erkennen, nehmen Sie neue in Angriff.

 

Einige praktische Tips:

  • Nehmen Sie einen Korb zum Sammeln, Pilze sind leicht verderblich. Manche Arten können durch Schwitzen in Plastiktüten in kürzester Zeit verderben und zu Lebensmittelvergiftungen führen.
  • Schneiden Sie eine Art nur mit dem Messer am Stiel ab, wenn Sie sie sicher kennen. Sonst stechen Sie mit dem Messer in den Boden unter den Pilz und hebeln ihn vorsichtig heraus, um den Stielansatz zu erhalten, denn dieser ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Verschließen Sie nach dem Heraushebeln das Loch im Boden, um das Myzel zu schonen.
  • Bewahren Sie Ihnen unbekannte Pilze, die Sie bestimmen lassen wollen, getrennt von den zum Essen gesammelten auf. Einige Arten sind so stark giftig, dass bereits deren Aussporen auf andere Pilze im Korb bedenklich ist.
  • Nehmen Sie einen Pinsel zum Sammeln mit, um Sand, Pflanzenreste, etc, sofort zu entfernen, bevor ein Pilz in den Korb wandert.
  • Manche Arten sind sehr empfindlich gegen mechanische Einflüsse (z.B. Perlpilze) und können durch Druck oder Verletzungen schnell verderben. Bewahren Sie diese vorsichtig auf und putzen und schneiden sie erst kurz vor dem Zubereiten.
  • Manche Arten sind oft, besonders bei fortgeschrittenem Wuchs, von Maden befallen. Bei manchen dieser Arten (z.B. Reizker), ist es sinnvoll, nur die jungen Exemplare zu sammeln und die befallenen Stellen sofort beim Sammeln abzuschneiden.
  • Wetterfeste, atmungsaktive Kleidung ist selbstverständlich. Wer auch an unzugänglichen Stellen sucht, trägt festes Schuhwerk und Stulpen, um die Hosen vor stacheligen Pflanzen zu schonen.
  • Entfernen Sie sich außer Sichtweite von bekannten Wegen, dann tragen Sie Kompass sowie Karten und/oder Navigationsgerät bei sich, deren Gebrauch Sie logischweise beherrschen sollten.