Pilzvergiftungen

Schön an­zu­schau­en, töd­lich gif­tig: Ama­ni­ta phal­lo­i­des, der Grü­ne Knol­len­blät­ter­pilz
Schön an­zu­schau­en, töd­lich gif­tig: Ama­ni­ta phal­lo­i­des, der Grü­ne Knol­len­blät­ter­pilz

Allgemeines

   Ob­­wohl be­­kannt sein dür­f­te, dass nicht al­­le Pil­­ze ess­­bar sind, kommt es im­­mer wie­der zu Ver­gif­­tung­­en bei de­ren Ver­­zehr. Ur­sa­chen hier­für sind Ver­wechs­lun­gen von ess­ba­ren Pil­zen mit de­ren gif­ti­gen Dop­pel­gän­gern durch man­gel­haf­te Kennt­nis­se, Irr­glau­be an die Er­kenn­bar­keit von Giftpil­zen durch Ge­schmack bzw. Ge­ruch oder das Mit­ko­chen von Silber­löf­feln aber auch ge­ziel­ter Kon­sum von hal­lu­zi­no­gen Ar­ten.

   Fortschritte in der Me­di­zin ha­ben da­zu ge­führt, dass die Sterb­lich­keit durch Pilz­vergiftungen deut­lich ge­sun­ken ist. Den­noch ist je­der Ein­­zel­fall ein be­droh­li­ches Er­eig­nis, das zu so­for­ti­gem Han­deln zwingt. Die nach­fol­gen­den In­for­ma­ti­o­nen und An­re­gun­gen die­nen, wie al­le An­ga­ben auf die­sem Por­tal, nur zur all­ge­mei­nen In­for­ma­ti­on, Irr­tü­mer und Feh­ler sind vor­be­hal­ten. Bei dem ge­rings­ten Ver­dacht auf ei­ne Pilz­ver­gif­tung muss so­fort ein Arzt kon­sul­tiert wer­den. Die­ser wird die richt­i­gen Maß­nah­men ein­lei­ten, wenn er weiß, um wel­ches Gift es sich han­delt. Dies setzt vor­aus, das be­kannt ist, welche Pil­ze ver­zehrt wur­den. Ist dies nicht 100%ig sicher (und wann ist dies schon der Fall? Sonst hätt­e man sie ja nicht geges­sen), sollte ein Pilz­sach­ver­stän­di­ger zur Iden­ti­fi­ka­ti­on hin­zu­gezo­gen wer­den. Am bes­ten Sie rufen die lokale Giftnotrufzentrale an, dort wird man Ih­nen ei­nen kompetenten Pilz­be­­ra­ter in Ih­rer Nä­he nen­nen und So­­fort­maß­nah­men em­p­feh­len. Hilf­reich ist es, beim Put­zen der Pil­­ze Res­te oder bes­ser kom­plet­­te Exem­­pla­re zur Be­stim­mung im Ver­gif­­tungs­fall auf­zu­he­ben. Lie­­gen sol­che nicht vor, dann kann mög­li­cherwei­se auch Er­­bro­che­nes un­ter­sucht wer­­den.

Klassifizierung von Erkrankungen nach Pilzverzehr

   Krank­heits­symp­to­me nach dem Verzehr von Pil­zen kön­nen, müs­sen je­doch kei­ne Ver­gif­tun­gen sein oder über­haupt im Zu­sam­men­hang mit der Pilz­mahl­zeit ste­hen. Der Mykopedia e.V. nimmt folgende Einteilungen vor:

Echte Pilzvergiftungen

   Von ei­ner ech­ten Pilz­ver­gif­tung spricht man, wenn ei­ne In­to­xi­ka­ti­on durch gif­tig wir­ken­de, in Pil­zen na­tür­lich vor­kom­men­de In­halts­stof­fe vor­liegt. Da­zu zäh­len auch Ver­gif­tun­gen nach dem Ver­zehr ro­her Pil­ze, de­ren Gif­te nur roh wirk­sam sind und im wei­te­ren Sin­ne Er­kran­kun­gen durch den gleich­zei­ti­gen Ge­nuss von Al­ko­hol und Pil­zen, de­ren In­halts­stof­fe nur in die­ser Kom­bi­na­ti­on to­xisch wir­ken.

Phalloides-Syndrom

Gyromitrin-Syndrom

Orellanus-Syndrom

Gastrointestinales Syndrom

Muscarin-Syndrom

Pantherina-Syndrom

Psilocybin-Syndrom

Coprinus-Syndrom

Equestre-Syndrom

Acromelalga-Syndrom

Pilzallergien

   Hier­bei han­delt es sich im stren­ge­ren Sin­ne nicht um Ver­gif­tun­gen, son­dern um Symp­to­me ei­nes An­ti­kör­per-An­ti­gen­kom­ple­xes. In ei­ni­gen Pil­zen ent­hal­te­ne, weit­ge­hend un­be­kann­te In­halts­stof­fe ru­fen bei man­chen Men­schen die Pro­duk­ti­on von An­ti­ge­nen und da­mit al­ler­gi­sche Re­ak­ti­o­nen her­vor. Nach dem Ver­zehr ent­spre­chen­der Pil­ze er­kran­ken da­her in der Re­gel nicht al­le Kon­su­men­ten, son­dern nur die da­für dis­po­si­ti­o­nier­ten Per­so­nen.

Kremplingsallergie

Sonstige Pilzallergien

Unechte Pilzvergiftungen

   Die­se wer­den durch ver­dor­be­ne rohe Pil­ze oder durch ver­dor­be­ne, zu reich­li­che, un­ge­nü­gend ge­kau­te Pilzmahlzeiten ver­ur­sacht und kön­nen ech­ten Pilz­ver­gif­tun­gen sehr ähn­lich sein. Oft ver­der­ben Pil­ze durch Trans­port in Plas­tik­tü­ten, Un­ter­bre­chung der Kühl­ket­te tief­ge­fro­re­ner Pil­ze oder un­zu­rei­chen­des Er­hit­zen beim Kon­ser­vie­ren. Oftmals hört man noch, dass zubereitete Pilze nicht ein zweites mal erwärmt werden sollen. Dies hatte seine Berechtigung, solange es keine Kühlschränke gab, muss heute jedoch differenzierter gesehen werden, da nicht das Erwärmen als solches, sondern vorherige, falsche Lagerung die Pilze verderben lässt. Diese bestehen neben Wasser hauptsächlich aus Eiweiß, welches bei Temperaturen über 8° C leicht verdirbt und dann für den Menschen giftige Zersetzungsprodukte entwickelt. Besonders kritisch ist die Spanne zwischen 20° und 40° C, also ein langsames Abkühlen nach der Zubereitung und/oder anschließendes Stehen lassen bei Zimmertemperatur. Können nicht alle zubereiteten Pilze sofort verzehrt werden, so sollte der Rest möglichst schnell von der Kochtemperatur heruntergekühlt werden, was am besten im kalten Wasserbad geht, um sofort anschließend im Kühlschrank auf noch tiefere Temperatur gebracht zu werden. Nun können die Pilze gefahrlos mindestens 24h gelagert und anschließend erneut erhitzt werden. Die Lagerzeit kann durch Zugabe von Essig oder andere Konservierungsmethoden erhöht werden, so wie auch bei anderen Lebensmitteln üblich.

   Hierzu möchte ich er­gän­zen, dass ich die be­son­ders in Su­per­märk­ten ge­üb­te Prax­is, Pil­ze in Plas­tik­fo­lie ein­ge­wickelt an­zu­bie­ten, für mehr als be­denk­lich hal­te. Der sich oft­mals beim Öff­nen ver­brei­ten­de Ge­ruch ist nicht nur höchst unap­pe­tit­lich, son­dern m.E. ein Fall fürs Ge­sund­heits­amt. Wer so et­was noch isst, muss schon zieml­ich schmerz­frei sein.

Erkrankungen ohne ursächlichen Zusammenhang mit der Pilzmahlzeit

     Wenn die Pil­ze, de­ren Zu­be­rei­tung und Ver­zehr oh­ne Män­gel wa­ren und auch kei­ne per­sön­li­che Un­ver­träg­lich­keit ge­gen­über Pil­zen vor­liegt, muss bei Ver­gif­tungs­symp­to­men dann in Be­tracht ge­zo­gen wer­den, dass die­se auch durch die Angst vor ei­ner Ver­gif­tung, ei­ne zu fet­te Pilz­mahl­zeit, über­mä­ßi­gen Al­ko­hol­ge­nuss oder Um­welt­gif­te vom Fund­ort der Pilze eben­so wie durch andere Krank­heits­ur­sa­chen her­vor­ge­ru­fen wer­den kön­nen.