Deutscher Name:

Hainbuchen-Raufuß

Wissenschaftlicher Name:

Leccinum pseudoscabrum (Kallenb.) Sutara, 1989

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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum pseudoscabrum (Hainbuchen-Raufuß)

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum pseudoscabrum (Kallenbach) Sutara Syn: L. carpini
M. Bon, Mushr. Toadst.: 41. 1987; Breitenb. & Kränzl., Pilze Schweiz 3: 70, pl. 31. 1991; Engel, Rauhstielröhrlinge: pl. 2. 1978; Galli, Boleti : 254-255. 1998; Muñoz, Fungi non del. 13: 42-44. 2000; R. Phillips, Paddest. Schimm.: 212. 1981; Pilát & Dermek, Hrívobité Huby: pl. 74. 1974.

Vorkommen und Verbreitung
Leccinum pseudoscabrum bildet Mykorrhiza mit Carpinus in Laubwäldern oder Straßenrändern auf basidophilen Lehm oder Ton (Stellaria holosteae-Carpinetum betuli Oberd. 1957, Alno Padion (wird heute bezeichnet als Alno-Ulmion, Erlen-Eschen-Auewälder; vermutlich besteht hier eine Verwechslung Carpinio-Ulmetum minoris Pass 1953 em. Schub. 1995. Höchstwahrscheinlich kommt die Arten im gesamten Verband Carpinion betuli ? Eichen-Hainbuchenwälder vor)). Selten hauptsächlich in Frankreich, sehr selten in Deutschland.

Morphologie
Hut bis 30-70 (-100) mm im Durchmesser, zunächst halbkugelförmig bis bauchig, später polsterförmig ausgebreitet, mit eingeschlagenem Rand, die Röhren nicht oder höchstens bis 1 mm überragend. Hutfarbe blass bis schwach dunkelgrau-braun, manchmal mit einem oliven Anhauch. Huthaut trocken, matt und anfangs samtig oder stark radial-faltig oder gemasert, im Alter schließlich aufgerissen mit konzentrischen Rissen. Besonders nahe am Rand zeigt sich dann das blass rosa Fleisch.
Röhren angewachsen bis abstehend, halb-bauchig bis bauchig und bis zu 25 mm lang. Farbe gelblich bis rosa-beige oder gräulich-braun, im Alter mit einer Schokoladenfarbenen Schattierung.
Poren sehr dünn, 1 bis 2 pro mm, blass beige und auf Druck bräunlich-grau verfärbend.
Stiel 60-130 mm lang und 6-14 mm im Durchmesser, zylindrisch, zur Basis hin zunehmend halb-keulig und bisweilen gekrümmt. Farbe weißlich bis blass grau-ocker, anfänglich bedeckt mit braun-schwarzen, sehr keinen, punktförmigen, in Längsreihen angeordnete Schüppchen, zur Basis hin weiß-wollig werdend.
Fleisch schmutzig-weiß und zunächst mit wässerig-dunklen Strähnen, beim Aufschneiden zuerst langsam rosa bis purpurn, dann gräulich-schwarz mit purpurner Nuancierung verfärbend.
Sporen (110,5) (12,5-)13-18,5 x 4,5-6,0 µm, av, 14,5-15 x 4,8-5,31 µm, Q = 2,3-3,3, Qav = 2,7-2,9; schmal, spin-delig mit konischer Spitze, einem deutlichen Hilarfleck und relativ dünnwandig. Farbe in Wasser braun.
Basidien 18-36 x 6,0-8,0 µm, keulig und 4-sporig. Hymenal-Zystiden abundant am Ende und an den Sporenseiten, 18-70 x 5,0-14 x 2,0-4,0 µm, Form flaschenförmig und öfters mit einem sehr langen verschmälerten Hals. Gefüllt sind sie mit einem dunkel braunen granulären Pigment.
Die Huthaut besteht aus einem komplizierten Trichodern von septierten Hyphen. Die 12-70(-90) x 3,5-10,5 µm großen abschließenden Zellen sind unregelmäßig zylindrisch oder keulig mit intrazellulärem Pigment.
Die Stielhaut besteht aus zylindrischen, 3,5-8,0 schmalen Hyphen, die Schuppen werden von schmalen bis ziemlich großen kaulohymenalen Clustern aus Basidien und Zytiden gebildet.
Die Kaulozystiden sind 25-90 x 5,0-12 x 2,0-8,5 µm groß, flaschenförmig, keulig oder spindelig. Die dick- oder dünnwandigen Zellen sind farblos oder mit braunen granulären Pigmenten gefüllt. Die Schnallen fehlen.

Verwechslungsgefahr

Der Name L. pseudoscabrum ist der älteste verfügbare Name für diese Art und sollte an Stelle von L. carpini verwendet werden. Häufig wird für diese Art auch der Name L. griseum verwendet, der aber zurückführt zu Gyroporus griseus Quél, eine Überleitung zum Name L. scaber.

Synonyme nach Index Fungorum
Boletus carpini (R. Schulz) A. Pearson, Naturalist: 96 (1947) 1946
Boletus pseudoscaber Kallenb., Pilze Mitteleuropas (Stuttgart) 1: 117 (1929) 1928
Boletus scaber var. carpini R. Schulz, in Michael & Schulz, Führ. Pilzk. (Zwickau) 1: pl. 95 with legend (1924)
Krombholzia pseudoscabra (Kallenb.) Vassilkov, Compl. Fl. Champ. Supér. Maroc: 32 (1955)
Krombholziella carpini (R. Schulz) Alessio, Boletus Dill. ex L. (Saronno): 439 (1985)
Krombholziella carpini (R. Schulz) Bon, Docums Mycol. 14(no. 56): 16 (1985) 1984
Krombholziella pseudoscabra (Kallenb.) ?utara, ?eská Mykol. 36(2): 82 (1982)
Leccinellum carpini (R. Schulz) Bresinsky & Manfr. Binder, in Bresinsky & Besl, Regensb. Mykol. Schr. 11: 232 (2003)
Leccinum carpini (R. Schulz) M.M. Moser ex D.A. Reid, Trans. Br. mycol. Soc. 48(4): 525 (1965)
Trachypus carpini (R. Schulz) J. Favre, Beitr. Kryptfl. Schweiz 10(no. 3): 35 (1948)

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling