Deutscher Name:

Moor-Birkenpilz

Weitere deutsche Namen: Moor-Raufuß
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum holopus (Rostk.) Watling 1960

Moor-Birkenpilz
© Andreas Keller
Leccinum holopus Moor-Birkenpilz
Moor-Birkenpilz
© Andreas Keller
auch Moor-Raufuß genannt
Moor-Birkenpilz
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Moor-Birkenpilz
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Moor-Birkenpilz
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Allgemeine Beschreibung:

Leccinum holopus (Rostk.) Watling
Icons: Korhonen in Karstenia 35: 64: Fig. 12. 1995; Rymann & Holmåsen, Pilze: blz. 230. 1992.
Leccinum holopus ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 29.04.2013).
Maßgebend für die Morphologie ist die Arbeit von Den Bakker & Noordeloos (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa 1

Verbreitung, Vorkommen und Gefährdung
Einzeln oder gesellig in Sphagnum-Bulten oder Gräsern und Moose mit torfigen Böden. Bildet Mykorrhiza mit Betula pendula und B. pubescens. Häufig und wahrscheinlich circumboreal in seinen Habitaten verbreitet7, die jedoch generell als gefährdet eingestuft sind, womit auch Leccinum holopus als stark gefährdet einzuordnen ist.

Morphologie
Hut 40 ? 100 mm im Durchmesser, jung halbkugelförmig und mit zunehmenden Alter polsterförmig ausgebreitet, die Röhren bis zu einem mm überragend. Die Huthaut ist jung filzig, mit zunehmendem Alter granulär, manchmal auch etwas glitschig werdend. Die Farbe ist weißlich bis gelblich, gräulich-weiß, häufig auch mit einem grünen bis bläulich-grünen Hauch im Alter, manchmal auch bräunlich.
Röhren sind 7 -18 mm lang und nahezu breit angewachsen, segmentiert bis weit bauchig. Die Farbe der Röhren ist gräulich-weiß bis letztendlich bräunlich-rosafarben.
Die Poren haben einen Durchmesser von 0,5 mm, die Farbe ist weißlich bis gelblich-bräunlich gescheckt, verfärbt sich bei Druck braun.
Der zylindrische bis keulige Stiel erreicht eine Länge von 59-140 mm bei einem Durchmesser von 10-23 mm. Er ist bedeckt mit weißlichen, groben Schuppen, die sich mit zunehmenden Alter Ocker bis gräulich verfärben. Wenn schwärzliche Schuppen auftreten, dann nur an jungen Fruchtkörpern zu finden.
Das Fleisch ist weißlich, verfärbt sich bei Druck im Hut und am Stiel rosafarben, häufig ist auch eine bläuliche Verfärbung an der Stielbasis zu beobachten. Die Verfärbungen treten nicht regelmäßig auf.
Sporen 15,5-18,0 x 5,5-7,0 µm, Q = 2,5-3,0, Qav = 2,7, weitgehend spindelig mit einem flachen Hillarfleck. Basidien 28,5-36,5 x 11,5-12,5 µm in den Abmessungen und in der Regel 4-sporig. Hymenozystiden 39,0-45,5 x 7,5-9,0 µm in den Abmessungen und flaschen- bis spindelförmig. Kaulozystiden 39,0-54,5 x 9,1-13,5 µm, spindelig, keulig bis zylindrisch, häufig mit einem gekrümmten Hals. Die Huthaut besteht aus zylindrischen Zellen, 3,5-5,0(-7,0) µm im Durchmesser, häufig klar durchscheinend oder granulären Kristallen, manchmal sind auch bräunliche intravaculäre Pigmente vorhanden. Die abschließenden Zellen sind bisweilen elipsoid, dann aber 10,5-11,5 µm im Durchmesser. Schnallen sind nicht vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Typisch für Leccinum holopus ist eine schlanke, blasse, meist weißliche Erscheinungsform ohne eine deutliche Verfärbung des Fleisches bei Verletzung. Beobachtet wurde dies an Exemplaren in montanen Sphagnum-Bulten sowie sub-borealen bis borealen Regionen. Eine andere, kräftigere Form mit dunklerer, manchmal braunem Hut, dunklerer Stielbeschuppung und bläulichere Verfärbung an der Stielbasis wurde in feuchten acidophilen Birkenwäldern gefunden (Sphagno-Alnetum glutinosae ? Torfmoos-Moorbirken-Erlenbruchwald? (Anmerkung des Übersetzers)). Lannoy & Estades (1993) haben diese Form als Leccinum nucatum beschrieben. Es wurden aber keine molekularen Beweise gefunden, L. nucatum als eigenständige Art einzustufen. Außerdem sind die Unterschiede zwischen beiden Formen nicht deutlich und es existieren Übergänge. Aus diesem Grund wird der nucatum ?Typus als Synonym für Leccinum holopus eingestuft. Die Kombination folgender mikroskopischen Merkmale unterscheiden L. holopus von ähnlichen Arten: die Huthaut ist zusammengesetzt schmalen hyphalen Zellen mit einem gleichmäßigem Durchmesser von 3,5 - 5,0 ?m, in der unteren Hälfte des Stiels mit überwiegend zylindrischen Kaulozystiden mit einem gekrümmten Hals und einem durchschnittlichen Q-Wert der Sporen von 2,8 µm. Smith and Thiers (1971) unterscheiden die beiden Varianten L. holopus: var. holopus und var. Americanum. Gemäß Smith and Thiers unterscheidet sich var. americanum von var. holopus dadurch, dass sich das Trama in der oberen Hälfte des Stiels rosa/rötlich bei Verletzung verfärbt und die Stielbeschuppung bei var. Americanum schwärzlich sei, bei var. holopus hingegen weißlich bis bräunlich im Alter. Beide Varianten wurden vom Autor in Kanada zum Teil sogar nebeneinander in den gleichen Sphagnum-Bulten gefunden. Obwohl jedoch keine molekularen Unterschiede zwischen beiden Varianten gefunden wurden, fehlen Übergänge. Auf Grund der fehlenden morphologischen Übergänge ist die Einstufung var. americanum als intraspezifisches Taxon gerechtfertigt.
Anmerkung des Übersetzers
Hier wird ein Fall beschrieben, wo bei zwei Varianten einer Art die molekularen Untersuchungen keine Unter-schiede finden, dennoch zeigen sich aber morphologische Unterschiede. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. So können z.B. durch springende Gene morphologische Varianten erzeugt werden. Morphologische Ausprägungen können auch entstehen, wenn ein Organismus auf ökologische Wechselwirkungen reagieren muss, wie z.B. parasitären Befall oder auch mikroklimatische Einflüsse. Bevor Varianten einer Art etabliert werden, sollten zunächst die obigen Faktoren ausgeschlossen werden.

Synonyme nach Index Fungorum
Boletus holopus Rostk., in Sturm, Deutschl. Fl., 3 Abt. (Pilze Deutschl.) 5: 131 (1844)
Krombholzia holopus (Rostk.) Pilát [as 'holopoda'], Klíc Kurc. Na?. Hub Hrib. Bedl. (Praha): 65 (1951)
Krombholziella americana (A.H. Sm. & Thiers) ?utara, ?eská Mykol. 36(2): 81 (1982)
Krombholziella holopus (Rostk.) ?utara, ?eská Mykol. 36(2): 81 (1982)
Leccinum holopus var. americanum A.H. Sm. & Thiers, Boletes of Michigan (Ann Arbor): 183 (1971)
Leccinum holopus var. nucatum (Lannoy & Estadès) Klofac, Öst. Z. Pilzk. 16: 257 (2007)
Leccinum nucatum Lannoy & Estadès, Docums Mycol. 23(no. 89): 63 (1993)
Leccinum olivaceosum Lannoy & Estadès, Docums Mycol. 24(no. 94): 10 (1994)
Trachypus holopus (Rostk.) Konrad & Maubl., Encyclop. Mycol. 20: 116 (1952)
Trachypus scaber f. holopus (Rostk.) Romagn., Revue Mycol., Paris 4: 141 (1939)

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling