Deutscher Name:

Tundren-Birkenpilz

Weitere deutsche Namen: Zwerg-Birkenpilz
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum rotundifoliae (Singer) A.H. Sm., Thiers & Watling, Michigan Bot. 6: 128 (1967)

Speisewert: essbar
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Systematik
Reich Fungi (Pilze)
Abteilung Basidiomycota (Basidienpilze)
Unterabteilung Agaricomycotina (Ständerpilze)
Klasse Agaricomycetes (Agaricomycetes)
Unterklasse Agaricomycetidae (Hutpilze)
Ordnung Boletales (Röhrenpilze)
Familie Boletaceae (Röhrlingsartige)
Gattung Leccinum (Raufüße)
Art Leccinum rotundifoliae (Tundren-Birkenpilz)

Allgemeine Beschreibung:

Leccinum rotundifoliae (Singer) Smith, Thiers and Watling, Tundren-Birkenpilz
Icons: Lannoy & Estades, Mon. Leccinum: pl. 2 (as L. pulchrum), pl. 3 (as L. pulchrum f. fuscodiscum), pl. 7. 1995; Estades and Lannoy, Bull. Mycol. Bot. Dauphiné-Savoie 174: 62 (as L. pulchrum).
Leccinum rotundifoliae ist laut Mycobank die Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), das Index Fungorum betrachtet den Namen als aktuell (Stand jeweils 29.04.2013).
Maßgebend für die Morphologie ist die Arbeit von Den Bakker & Noordeloos (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa 1

Vorkommen und Verbreitung
Einzeln oder gesellig in nassen bis trockenen Habitaten, mit Betula Mykorrhiza bildend. Vorzugsweise fortgeschrittene Birken-Saalweiden Pionierwälder, im Quercion roboris (Eichen-Birken-Wälder), Fagion sylvaticae (Rotbuchen-Wälder) und Dicrano-Pinion-Gesellschaften[8, 9, 10, 11].
Verbreitet in borealen, arktischen und subalpinen Regionen, wahrscheinlich sogar Circumpolar.

Morphologie
Hut 25-90 mm im Durchmesser, halbkugelförmig bis konvex, im Alter ausgebreitet, Rand ganzrandig, die Röhren nicht oder meistens nur bis 1mm übersteigend, Blass gelblich braun, hellbraun bis sehr dunklem braun oder grauem braun, dann häufig gesprenkelt. Oberfläche faserig-filzig, manchmal samtig-weich, häufig unregelmäßig zerbrechend, im Alter leicht klebrig. Röhren nahestehend bis nahezu angewachsen, 8 - 21 mm lang, breit konvex bis bauchig, cremig- bis gräulichweiß. Poren gelblich- bis bräunlich-weiß, bei Verletzung bräunlich färbend. Stengel 40 - 100 x 7-25 mm, halb-keulig bis keulig, weißlich; vollständig bedeck mit Schuppen, diese entweder weißlich und zur Reife hin bräunlich oder schwärzlich, zur Spitze hin feiner, Richtung Stengelbasis gröber/flockiger werdend. Fleisch weißlich, bei Verletzung unveränderlich oder besonders an der Spitze des Stiels rötlich färbend.
Sporen (11.5-) 13.5-17.5 (-20) x 4.5-6.8 (-7.0) µm, Q=2.2-3.2, Qav= 2.8. Basidien 23.5-33.0 x 11.0-12.5 µm, keulig. Huthaut sehr regelmäßig komplexen, hautähnlichem Trichoderm, Zellen 31.5-94.5 x 3.0-8.5 µm, nahezu zylindrisch, durchsichtig und granulär verkrustet oder bräunlich und dann häufig granulär verkrustet. Kaulozystiden 37.5-59.5 x 11.0-20.5, euterförmig, flaschenförmig oder spindelig. Inhalt durchsichtig oder schwach gräulich in KOH. Keine Schnallen vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Leicht farbige Fruchtkörper können von L. holopus durch das Fehlen der bläulichen Verfärbung an der Stielbasis und die Abwesenheit von grünlichen bläulichen Anflügen im Hut von älteren Fruchtkörper unterschieden werden. Neben den Unterschieden in der Farbe scheint es einen ökologischen Unterschied in arktischen Regionen zu geben, L. rotundifoliae ist eine Art von trockenen Lebensräumen, während L. holopus nasse Lebensräume bevorzugt. In subalpinen und borealen Regionen kann L. rotundifoliae auch in feuchteren Habitaten gefunden warden. L. rotundifoliae ist im Allgemeinen ein matt braun bis weißlicher Vertreter. Jedoch wurden auch Exemplare mit dunklen Hut   und dunklen Stengel-Schuppen bestimmt. Das erste von diesen Mustern (eine Sammlung von Borgsjö, Jämtland, Schweden), das bestimmt wurde, war als L. scabrum benannt worden (Den Bakker u. a. 2004a) basierend auf einem geringe Sequenz-Unterschied in ITS zwischen L. scabrum und L. rotundifoliae. Die Analyse eines zusätzlichen Gens (Gapdh) jedoch unterstützte die Existenz von L. rotundifoliae als eine separate Art. Als Artenmaterial von L. pulchrum sortiert wurde, erschienen diese Neuanschaffungen überraschenderweise im L. rotundifoliae Ordner. Bei näherer Untersuchung der Morphologie und eines Vergleichs von Photographien von dunklen Mustern von L. rotundifoliae aus Grönland und Schweden mit dem Bild von L. pulchrum in Estades & Lannoy ( 2004, P. 62 ) zeigen diese eine perfekte Ähnlichkeit. Leccinum pulchrum wird deshalb auf die Synonymie von L. rotundifoliae reduziert. Das verdeutlicht, dass Leccinum rotundifoliae nicht nur in Nordeuropa sondern auch in den Alpen vorkommt. Ein Neuzugang aus dem französischen Tiefland, der als Leccinum pulchrum identifiziert wurde, erschien im L. scabrum Ordner, dessen morphologischen Daten bestätigt wurden und deshalb als eine falsche Einordnung betrachtet werden muss. Bei ihrer Beschreibung von Leccinum pulchrum geben Lannoy und Estades (1995)an, das gelegentlich bläuliche Verfärbungen an der Stengelbasis gefunden wurde. Eine Sammlung aus einem sumpfigen Birkenwald in den Niederlanden passte in ihren Beschreibung gut in Bezug auf diese Fazies. Aber die molekularen und mikroskopischen Merkmale legten diese Sammlung ins gegenwärtige Konzept von Leccinum holopus. Diese, normalerweise blasse Arten, haben gewöhnlich bläuliche Verfärbungen an der Stielbasis. Es ist in derselben Gegend wie die obengenannten Erwähnungen von "L. pulchrum" gesammelt worden und endete in demselben Ordner. Anscheinend basiert das Konzept von Leccinum pulchrum von Lannoy und Estades lediglich auf nicht-diagnostischen makroskopischen Merkmalen und stellt eine Mischung aus anderen Arten einschließlich L. scabrum, L. rotundifoliaes und L. holopus dar. Übersetzt aus Diskussion von Den Bakker und Noordeloos 1

Verwendung

Die Raufüße stehen in Verdacht, roh genossen, toxisch zu wirken. Sie sollten deshalb gut gegart werden. Die Stiele können bisweilen zäh sein. Aus eigenen Beobachtungen färbt sich das Fleisch bei längerem erhitzen sehr dunkel.

Weitere Quellenangaben

1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg