Deutscher Name:

Raufüße

Weitere deutsche Namen: Raustielröhrling, Raufuß, Raufußröhrlinge
Wissenschaftlicher Name:

Leccinum Gray 1821

Typusart: Laubwald-Rotkappe (Leccinum aurantiacum)
Raufüße
© Andreas Keller
Typusart der Gattung ist Leccinum aurantiacum

Allgemeine Beschreibung:

Die Gattung Leccinum (Raufüße oder Raufußröhrlinge bzw. Raustielröhrlinge) gehört zur Familie der Boletaceae (Echte Röhrlinge).

Innerhalb der Röhrlinge (Boletaceae) ist die Gattung Leccinum sehr gut abgrenzbar, in der Gattung selbst gibt es jedoch noch einen deutlichen Dissens. Je nach Autor werden zwischen 18 bis 36 Arten zuzüglich diverser Varietäten beschrieben7. Hinsichtlich der Abgrenzung zu anderen Arten der Gattung folgt der Autor der Einteilung von Den Bakker und Noordeloos1. Auf Grund deren genetischer Aufschlüsselung der Gattung wurde ein neuer makroskopischer Schlüssel bereitgestellt. Das französische Artkonzept hat noch keinen Eingang in die Aufgliederung der Gattung gefunden. Im Index Fungorum sind aktuell weltweit (02.12.2012) 303 Arten incl. Varietäten gelistet. Bei Bon5 wird die Gattung unter dem Namen Krombholziella geführt.

Zurzeit gehen folgende Merkmale in die Determinierung der Arten ein[1, 7]:
- Mikroskopischer Aufbau der Hutdeckschicht
- Farbveränderungen des Fleisches bei Anschnitt
- Kenntnis des Mykorrhizapartners und dessen Vegetationseinheit
- Hutfarbe

Sowohl Krieglsteiner7 als auch Gröger2 differenzieren zwischen den beiden Sektionen Rotkappen und den Birkenpilzen. Die Trennung der beiden Sektionen gestaltet sich wie folgt:

Rotkappen
Innerhalb weniger Minuten nach einer Schnittverletzung verfärbt sich das Trama (Fleisch des Fruchtkörpers) dunkelgrau, schwarzviolett oder schwarz, wobei auch eine rosa- bis lachsfarbene Übergangsphase auftreten kann. Die Hutfarbe ist in der Regel rot- orange- oder gelbbraun. Sie sind nicht ausschließlich an Birken (Betula pendula, Betula pubescens) gebunden. Viele Arten zeigen eine einige Millimeter überhängende Huthaut. Der Habitus dieser Gruppe ist als ?robust?, Boletus-ähnlich zu beschreiben.

Birkenpilze
Nach Anschnitt erfolgt keine Verfärbung nach dunkelgrau, schwarzviolett oder schwarz. Rosa bis rostrote Verfärbungen sind aber möglich.   Die Huthaut ist in der Regel braun, teils auch mit blaugrünen Farbnuancen oder Olivtönen. Albino-Typen können auch auftreten. Diese Arten sind ausschließlich Symbioten mit Birken.

Bei der Determination der Gattung Leccinum sollte jedoch der Schlüssel von den Bakker & Noordeloos1 bevorzugt verwendet werden, da sich hier die makroskopische Gliederung an die molekulargenetische Differenzierung orientiert.

Vorkommen und Verbreitung
Die detailiertesten Angaben zu den einzelnen beschriebenen Arten der Gattung Leccinum hinsichtlich Ökologie, Gefährdung und Verbreitung finden sich bei Kriegelsteiner, G. J.7, so dass diese Quelle im folgenden nicht hervorgehoben wird.
Die Verbreitung der Gattung Leccinum ist fast ausschließlich auf die nördliche Hemisphäre beschränkt. Als Mykorrhiza-Pilz ist die Gattung an Bäumen gebunden, wobei einige Arten streng an eine einzige Baumart gebunden sind. Insgesamt sind sie in fast allen Waldgesellschaften der Querco-Fagetea (Sommergrüne Laubwälder), Vaccinio-Pineetea (Beerstrauch-Nadelwälder), Erico-Pinetea (Schneeheide-Kiefernwälder) und Quercetea robori-petraeae (Birken-Eichenwälder) sowie deren Vorwaldstufen anzutreffen[8,9]. Aber auch in Forsten, Parks und Gärten sind sie nicht selten zu finden.

Morphologie
Die Gattung umfasst durchgehend kräftige und robuste Arten. Der Hut erreicht einen Durchmesser von 4 bis 20 cm, an optimalen Standorten auch 25 cm. Die Huthat ist überwiegend samtig trocken, die Farbe variiert von fast cremeweiß über rot-orangebraune Töne bis fast schwarzbraun. Bei jungen Exemplaren sind die Röhren anfänglich cremeweiß, mit zunehmenden Alterungsprozess verfärben sie sich über schmutzig-rosa nach schmutzig-grau, bisweilen auch bräunlich oder gelb.
Der überwiegend zykindrische, bei manchen Arten auch schwach bauchige Stiel erreicht eine Länge von 4 bis 20 cm und kann einen Durchmesser von 1 bis 4 cm erreichen. Die Oberfläche ist teils dicht meist dunkel beschuppt, daher auch der Name Raufüße. Bis auf den Gelpporigen Raufuß ist das Fleisch weiß, bei einigen Arten verfärbt es sich allerdings rasch über rosa nach dunkel-violett.

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Fruchtkörpergröße
groß
Veränderungen / Reaktionen
Verfärbung(en) bei Verletzung
schwärzend, bräunend, bläuend, rötend, fehlend
Chemische Reaktionen
mit KOH gilbend
Stiel
Stielform
bauchig, zylindrisch
Stielfeuchtigkeit
trocken
Stieldichte
vollfleischig
Stielbasis
gerade
Stielansatz
mittig
Hut und Stiel leicht trennbar
ja
Grundfarbe des Stieles
gelb, weiß
Beschaffenheit der Stieloberfläche
schuppig
Umweltfaktoren
Soziabilität
gesellig, einzeln
Orographische Gliederung
alpin (Hochgebirge), montan (Bergland), kollin (Hügelland), planar (Ebene)
Habitat
Auenwälder, Mischwald, Laubwald, Nadelwald
Bodenqualität
neutral, sauer
Olfaktorische / gustatorische Wahrnehmung
Schärfe (nicht bei Täublingen)
mild
Geruch
unbedeutend pilzartig
Velum
Ring / Manschette / Cortina
fehlend
Hymenophor
Porengröße
deutlich als Poren erkennbar
Porenform (bzw. Röhrenmündung)
vieleckig, rund
Hymenophorfarbe
grau, rosa, gelb, hell (creme, elfenbein, etc)
Hymenophoransatz
frei
Art des Hymenophors
Röhren
Milch
Milch
fehlend
Exsudation (Guttationstropfen)
fehlend
Hut
Hygrophanität
nicht vorhanden
Hutrippung
Hut ungerieft oder nur im Alter leicht gerieft
Hutform
ausgebreitet, gewölbt (konvex), halbkugelig
Hutfeuchtigkeit
trocken
Hutfarbe ( Hauptfarbe)
rotbraun, rot, orange, ocker, gelb, hell (creme, elfenbein, etc), braun
Hutbuckelung
ungebuckelt
Beschaffenheit der Hutoberfläche (ohne Berücksichtigung des Hutvelums und Feuchtigkeit)
samtig, glatt
Autolyse
nicht vorhanden
Fleisch
Fleischigkeit
dickfleischig
Fleischfarbe
gelb, weiß
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
rosa, fleischrosa bis rötlich, gelblich

Mikroskopische Merkmale

Sporenform ( ohne Ornamentation)
zylindrisch mit abgerundeten Seiten, elliptisch
Sporenart
Basidiospore
Schnallen
nicht vorhanden
Kaulozystiden
flaschenförmig, geschnäbelt, keulig, zylindrisch
Aufbau der Hutdeckschicht
trichodermal, kutikulär
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4, 2

Weitere Quellenangaben

Zusammenfassung aller für diese Gattung verwendeten Quellen.
1 Den Bakker, H.C.; Noordeloos, M.E. (2005): Die Gattung Leccinum (Raustielröhrlinge) in West- und Mitteleuropa (Online-Version)
2 Gröger, F., Bresinsky, A. und Besl, H. (Herausg.) (2006): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa Teil I, Regensburger Mykologische Schriften Band 13, Regensburg
3 Gminder, A. (Herausg.) (2008): Handbuch für Pilzsammler, Hamburg
4 Gerhardt, E. (Herausg.) (2011): BLV Pilzführer, München
5 Bon, M. (2010): Pareys Buch der Pilze, Berlin
6 Rothmaler, W. (1994): Exkursionsflora von Deutschland Bd. 1, Jena
7 Krieglsteiner, German J. ((Herausg.) (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 2, Stuttgart
8 Oberdorfer, Erich (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Jena
9 Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Stuttart
10 Pott, Richard (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands 2. Aufl., Stuttgart
11 Heinken, Thilo (2008): Dicrano-Pinion ? Sand- und Silikat-Kiefernwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 10 v. Dierscke H. (Herausg.), Vaccinio-Pineetea, Göttingen
12 Härdtle, W., Heinken, T., Pallas, J. u. Weiß, W. (1997): Quercion roboris ? Bodensaure Eichenmischwälder, in Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands Heft 2 v. Dierscke H. (Herausg.), Querco Fagetea, Göttingen
13 Engel, H., Dermek, A., Watling, R. (1978): Rauhstielröhrlinge - Die Gattung Leccinum, Coburg
14 Welt, P., Hahn, C. (2005): Studien zur Gattung Leccinum, Leccinum schistophilum, Schiefer-Rauhstielröhrling
15 Schubert, R., Hilbig, W., Klotz, St. (2010): Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands