Autor: Dirk Harmel

Deutscher Name:

Validae

Wissenschaftlicher Name:

Validae

Validae
© Dirk Harmel
Amanita rubescens - Der Perlpilz

Allgemeine Beschreibung:

   Validae ist nach Bon eine Sektion der Untergattung Lepidella aus der Familie Amani&shyta­ce­ae1. Der Name ist weder im Index Fungorm, noch in der Mycobank gelistet (Stand 29.04.2012). Da er auch sonst außer bei Bon nicht gefunden werden konnte, wird hier davon ausgegangen, dass er nicht regelkonfirm veröffentlicht wurde. Viele Autoren, so auch Krieglsteiner2 und Knudsen & Vesterholt3 unterteilen die Unter­gattung Lepidella nicht weiter in Sektionen.
   Bon hingegen listet neben drei weiteren Sektionen auch das hier beschriebene Taxon. Nach ihm haben die darin enthaltenen Arten entsprechend dem in der Gattungsbeschreibung aufgeführten Typ 4 ein brüchiges, an der Basis aufreißendes Velum universale, von dem oft grobschollige Reste oder unregelmäßig verteilte Flocken auf der Huthaut verbleiben, die jedoch bei Regen abgewaschen sein oder aus sonstigen Gründen fehlen können. An der Stielbasis sind hingegen, wenn überhaupt, nur rudimentäre Hüllenreste zu finden. Das Sporenpulver der Arten dieser Sektion, wie auch der benachbarten Sektionen in der Untergattung Lepidella, ist amyloid.3

   Wie auf der Seite der diesem Taxon übergeordneten Gattung gezeigt, ist das Sporenpulver der Wulstlinge entgegen weit verbreiteter Ansicht keineswegs immer weiß. Von den beiden bekannten und dort aufgeführten Ausnahmen ist jedoch keine in dieser Sektion enthalten, so dass hier von stets weißer Sporenpulverfarbe ausgegangen werden kann.

   Um die Sektion Validae von den weiteren Sektionen der Untergattung Lepidella abzugrenzen, stellt Bon auf die am Fruchtkörper verbleibenden Velumreste ab. Die Arten der Valideae sollen bald nur noch auf der Huthaut erkennbar sein, an der Stielbasis sollen sie fehlen oder nur rudimentär vorhanden sein. Das Velum am Hut scheint mir ungeeignet zur Unterscheidung, da es bei den Arten der Validae bei Regen fehlen kann und sich diese dann nicht durch dieses Merkmal von jenen der Phalloideae unterscheiden lassen. Wegen der Ausnahme bei den Velumresten an der Stielbasis der Amanita franchetii muss dieses Merkmal näher beleuchtet werden. In der Sektion Phalloideae sind die Stiele der Fruchtkörper entweder sackartig bescheidet oder tragen eine "halbe Volva", die simsartig von der Basalknolle absteht. Die Arten aus Amidella sind stets sackartig bescheidet. Die Vertreter der Sektion Lepidella haben mitunter kein Velum an der Stielbasis, tragen jedoch anders als die der Validae dann Reste am Stiel. Die Abgrenzung der Validae von den anderen Sektionen der Untergattung Lepidella ist also möglich. Problematisch ist der warzige Gürtel an der Stielbasis bei A. franchetii nur in Bezug auf die Abgrenzung der Arten aus der Untergattung Amanita, von denen einige ebenfalls dieses Merkmal besitzen. Diese Untergattung lässt sich jedoch durch inamyloides Sporenpulver von der Untergattung Lepidella und damit auch von deren Sektion Validae unterscheiden, bei denen das Sporenpulver amyloid ist. Größere Sorgen bereitet die Hutriefung, die nicht nur von Bon zur Unterscheidung der Untergattung Lepidella zu den Untergattungen Amanita und Amanitopsis herangezogen wird. In vielen Bestimmungsbüchern werden die Speisepilze Amanita rubescens und Amanita excelsa mit stets ungerieftem Hutrand beschrieben, was sie von der potentiell tödlich giftigen Amanita pantherina unterscheiden soll. Dies ist eine gefährliche Falschaussage, denn zum einen können Varianten von A. rubescens und A. excelsa durchaus auch einen gerieften Rand tragen, vor allem aber kommt die Variante abietum des Pantherpilzes mit ungerieftem Hut daher. Der Hutrand kann also bestenfalls als Hinweis, jedoch nicht als Indiz für die Zuordnung einer zu bestimmenden Art zu den Untergattungen Amanita und Lepidella betrachtet werden, wobei man unbedingt die Ausnahmen kennen muss. Da diese jedoch sicher nicht jedem Speisepilzsammler geläufig sind, wäre es meines Erachtens nach besser, überhaupt nicht auf dieses Merkmal abzustellen, um Fehlbestimmungen mit tragischem Ausgang zu vermeiden. Den Anfängern unter den Pilzfreunden ist vom Sammeln von Wulstlingen zu Speisezwecken insgesamt abzuraten.

   Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die Sektion Validae sich zwar nicht leicht aber letztlich doch eindeutig von den weiteren Sektionen der Untergattung Lepidella unterscheiden lässt und damit zumindest einen morphologischen Wert hat. Sie ist jedoch weder im Index fungorum noch in der Mycobank gelistet, auch Bon nennt keinen Erstbeschreiber noch konnte eine regelkonforme Beschreibung von ihm gefunden werden. Das Taxon wird daher hier als ungültig betrachtet. Da die Untergattung Lepidella aber morphologisch sehr breit aufgestellt ist, macht es aus meiner Sicht durchaus Sinn, sie nochmals zu unterteilen. Die Validae werden deshalb hier gelistet, auch wenn sie keinen offiziellen taxonomischen Rang haben.


   Zu folgenden Merkmalen wurden in der Literatur über diese Sektion keine oder nicht vollständige Angaben gefunden. Deren Ausprägungen ergeben sich jedoch aus in ihr vorhandenen Taxa wie folgend. Dabei ist zu beachten, dass die Nichtlistung einer Ausprägung eines Merkmals nicht bedeuten muss, dass diese nicht existiert, sondern eben nur, dass sie in den bisher gelisteten untergeordneten Taxa nicht vorkommt.

• Fruchtkörpergröße: mittel, groß: A. rubescens
• Hutform: halbkugelig, gewölbt (konvex), ausgebreitet: A. rubescens
• Hutrippung: Hutrand gerieft: A. excelsa var. valida
• Hutfeuchtigkeit: schmierig, trocken: A. franchetii
• Hutfarbe: rot, rotbraun, rosa, ocker, hell (creme, elfenbein, etc): A. rubescens; grau, braun: A. excelsa; gelb: A. franchetii
• Hutbuckelung: ungebuckelt: A. rubescens
•Hymenophoransatz: angeheftet, ausgebuchtet angewachsen, frei, breit angewachsen: A. rubescens
•Hymenophorfarbe: rotbraun, weiß, rosa: A. rubescens
•Fleischigkeit: dickfleischig: A. excelsa var. spissa
•Fleischfarbe: braun, weiß: A. excelsa; ocker, hell (creme, elfenbein, etc), rosa, rotbraun: A. rubescens
•Stielform: keulig, zylindrisch: A. excelsa
•Beschaffenheit der Stieloberfläche: flockig, genattert, schuppig, glatt: A. Rubescens
•Grundfarbe des Stieles: grau, braun, weiß: A. excelsa; gelb, hell (creme, elfenbein, etc): A. franchetii
•Stieldichte: hohl, vollfleischig: A. rubescens
•Stielbasis: verdickt: A. excelsa; gerade: A. excelsa var. cariosa
•Velum am Hut: grob bewarzter Hut, grobschollige Velumreste: A. excelsa; Velumreste am Hutrand : A. franchetii; fehlend: A. Rubescens
•Velum an der Basis: rudimentär oder fehlend, warzig gegürtelt: A. Franchetii
•Ring: Ring hängend angewachsen: A. rubescens
•Farbe des Ringes: weiß, hell (creme, elfenbein, etc): A. rubescens; gelb: A. rubescens var. annulosulphurea
•Ringriefung: vorhanden: A. rubescens
•Geruch: Kartoffelkeller, rettichartig, obstartig/fruchtig, unbedeutend pilzartig, fehlend: A. excelsa
•Geschmack: süß: A. rubescens
•Schärfe: mild: A. rubescens
•Verfärbung(en) bei Verletzung: bräunend: A. excelsa var. valida; rötend: A. rubescens
•Chemische Reaktionen: mit Phenol rötend: A. excelsa
•Bodenqualität: neutral, sauer, Kalk: A. franchetii
•Habitat: Mischwald, Laubwald, Nadelwald: A. excelsa
•Soziabilität: gesellig, einzeln: A. excelsa

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Gesamter Fruchtkörper
Fruchtkörper
mit Hut und Stiel
Fruchtkörperrekonstitution bei Wiederbefeuchtung
nicht vorhanden
Fruchtkörpergröße
mittel, groß
Hymenophor
Zwischenlamellen
vorhanden
Lamellengabelung
nicht vorhanden
Hymenophorfarbe
rotbraun, rosa, weiß
Hymenophoransatz
angeheftet, ausgebuchtet angewachsen, breit angewachsen, frei
Art des Hymenophors
Lamellen
Anastomosen (Querverbindungen zwischen den Lamellen)
nicht vorhanden
Veränderungen / Reaktionen
Verfärbung(en) bei Verletzung
rötend, fehlend
Chemische Reaktionen
mit Phenol rötend
Velum
Velum universale (Gesamthülle)
vorhanden
Velum partiale (Ring, Cortina, etc)
vorhanden
Velum an der Basis
warzig gegürtelt, rudimentär oder fehlend
Velum am Hut
Velumreste am Hutrand, grobschollige Velumreste, grob bewarzter Hut, fehlend
Ringriefung
vorhanden
Ring / Manschette / Cortina
Ring hängend angewachsen
Farbe des Ringes / der Cortina
gelb, hell (creme, elfenbein, etc), weiß
Stiel
Stielkonsistenz
bricht faserig
Stielform
keulig, zylindrisch
Stieldichte
vollfleischig, hohl
Stielbasis
verdickt, gerade
Stielansatz
mittig
Hut und Stiel leicht trennbar
ja
Grundfarbe des Stieles
grau, braun, gelb, hell (creme, elfenbein, etc), weiß
Beschaffenheit der Stieloberfläche
flockig, genattert, schuppig, glatt
Umweltfaktoren
Soziabilität
gesellig, einzeln
Habitat
Mischwald, Laubwald, Nadelwald
Bodenqualität
neutral, sauer
Olfaktorische / gustatorische Wahrnehmung
Schärfe (nicht bei Täublingen)
mild
Geschmack
süß
Geruch
Kartoffelkeller, unbedeutend pilzartig, obstartig/fruchtig, rettichartig, fehlend
Milch
Milch
fehlend
Exsudation (Guttationstropfen)
fehlend
Hut
Hygrophanität
nicht vorhanden
Hutrippung
Hutrand gerieft, Hut ungerieft oder nur im Alter leicht gerieft
Hutform
ausgebreitet, gewölbt (konvex), halbkugelig
Hutfeuchtigkeit
schmierig, trocken
Hutfarbe ( Hauptfarbe)
grau, rotbraun, braun, rosa, ocker, gelb, hell (creme, elfenbein, etc)
Hutbuckelung
ungebuckelt
Autolyse
nicht vorhanden
Fleisch
Fleischigkeit
dickfleischig
Fleischfarbe
braun, rotbraun, rosa, ocker, weiß, hell (creme, elfenbein, etc)
Sporenpulver
Farbe des Sporenpulvers
reinweiß bis blasscreme
Amyloidität
amyloid

Mikroskopische Merkmale

Sporenornament
glatt
Sporenart
Basidiospore
Cheilozystiden
ballonförmig
Anzahl der Sporen im Ascus bzw. auf der Basidie
4

Weitere Quellenangaben

1Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 292f
2Krieglsteiner, G.J. (Hrsg.)(2003): Die Großpilze Baden Würtembergs Band 4, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart, S. 32ff
3Knudsen, H. & Vesterholt, J. (Hrsg.) (2008): Funga Nordica. Nordsvamp, Kopenhagen, S. 326ff
4Bon, M (2005): Pareys Buch der Pilze. Aktualisierte Ausgabe, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, S. 292f